3 Uhr morgens in Bangkok...das Abenteuer kann beginnen

Yangon nach Pyay

Start in ein neues Abenteuer

In der Nacht vor der Abreise habe ich kein Auge zu getan. Es war eine grosse Anspannung in mir, welche ich normalerweise vor Reisen nicht verspuere. Um drei Uhr stand ich mit meinem Rad und den Taschen in der Garage bereit. Ich hatte ein grosses Taxi bestellt. Der Taxifahrer rief mich an und sagte mir, dass mein Taxi schon warte. Es war jedoch ein ganz normales Taxi! Ich kriegte Panik und war gewiss nicht so freundlich. Schlussendlich passte die Radbox jedoch genau auf den Ruecksitz und das Gepaeck in den Kofferraum.

Der Flug nach Yangun dauerte nur 70 Minuten. Mein Rad wartete schon auf mich und auch das restliche Gepaeck wartete schon auf mich.Die Taxi Fahrt zum Hotel dauerte beinahe doppelt so lang wie der Flug von Bangkok!

Meine Radkiste wurde in den dritten Stock getragen, ich kriegte ein fensterloses Minizimmer fuer 12 Dollar. Jedoch war das Zimmer mit Aircon ausgestattet, was sich als totaler Luxus herausstellte!

Der Rest der Gruppe traf dann gegen Nachmittag ein. Es war so toll, alle wieder zu sehen. Wie ein Wunder, dass alles so reibungslos funktionierte! Ein Franzose, welchen ich im Februar (!!) hier im Sueden von Burma getroffen hatte, schloss sich fuer ein paar Tage auch der Gruppe an. Small world!

Die Radgruppe besteht aus Mirko und Katya, welche seit 12 Jahren auf dem Rad unterwegs sind. Sie finanzieren sich durch das Verkaufen von selbstgemachtem Schmuck. Mike und Chris, zwei Amerikaner, welche seit zwei Jahren in Asien auf dem Rad unterwegs sind, urspruenglich in Korea unterrichteten, wo sie ihre Reise begannen. Der Sechste Herr der Runde ist Minsung, ein Koreaner, welcher teilweise mit Mike und Chris unterwegs war.

In Rangun mussten wir eine Bewilligung einholen, um nach Indien ueber den Landweg zu reisen. Dies kostete 90 (!!!) Dollar pro Person. Wir werden die Bewilligung erst an der Grenze erhalten. Vertrauen darauf, dass wir nicht 500 Dollar umsonst beazahlt haben.

Heute am Abend hatte ich nochmals ein „typisch“ burmesisches Erlebnis! Ich wollte Wasser kaufen in einer grossen Falsche, da meine zu klein ist. Ging also ohne meine Linsen zu tragen halb blind durch die Strassen. Ueberall verkauften die Haendler nur Sprite oder Cola in grossen Flaschen zu ziemlich teuren Preisen. An einem Stand, welcher eigentlich fritierte Sachen verkaufte, sah ich eine grosse Wasserflasche. Ich fragte die Frau, wie viel sie dafuer wolle. Sie sagte „free, no money“! Sie wollte partout kein Geld von mir nehmen, sondern schenkte mir die Flasche einfach so!!! Ich war sowas von perplex! Ausgerechnet was ich suchte kriegte ich wie bestellt und dann erst noch geschenkt! Ich bedankte mich viele Male und die ganze Familie hatte Freude an meiner Freude. Es war ein sehr spezielles Erlebnis! Welch guter Start in ein tolles Abenteuer! Die vielen gluecklichen Zufaelle, welche mich schon seit Beginn begleiten, zeigen mir, dass ich das Richtige tue.

 

10.5.2014 Yangon-Okkan (107km !!!)

Los geht’s! Der Wecker klingelte um 4.15 am Morgen!

Beinahe tonlos packten wir und trugen die Taschen nach unten. Die burmesischen Angestellten des Hotels schliefen alle im Eingangbereich am Boden! So trugen wir alle Materialien, inklusive Raeder ueber sie hinweg, drei Treppen nach unten auf die Strasse.

Es war aufregend, das Rad zum ersten Mal zu satteln, schauen ob alles so funktionierte, wie ich es geplant oder noch in Erinnerung hatte. Die anderen waren auch beschaeftigt mit dem Beladen ihres Hauses.

Gegen fuenf ging’s los. Wir stoppten, um beim Inder Fruehstueck zu essen. Dann, so gegen sechs Uhr fuhren wir die beinahe leeren Strassen Yangons entlang. Wir verirrten uns und verloren Mike! Alles Warten nuetzte nichts.

Irgendwann fuhren wir los. Die Landschaft war super schoen! So gruen und bald schon laendlich.

An einer Kreuzung warteten wir auf Chris, welcher auch sofort eintraf.

Danach radelten wir weiter und trafen irgendwo auch tatsaechlich auf Mike. Wir diskutierten eine Weile, dann fuhren wir weiter.

Als es heftig zu regnen begann, setzten wir uns in ein Restaurant. Der Besitzer fuhr mich kostenlos auf seinem Mofa im halben Dorf herum, um nach einem Hotel zu suchen! Sooo lieb!

Wir entschlossen uns dann jedoch dazu, weiter zu fahren. So fuhren wir ewig weiter. Die Landschaft entschaedigte uns jedoch sehr fuer den schmerzenden Hintern. Eine Burmesin fuhr lange schweigend neben mir her auf ihrem Rad und lachte mich an. So suess.

Wie durch ein Wunder befand sich in dem kleinen Ort, in welchem wir nach etwa 105 km (!!) hielten, ein wunderschoenes Hotel mit Zimmer fuer 10 Dollar pro Person. Mit Aircon und super Dusche. Wir waren die ersten Gaeste, da die Besitzerin das Hotel erst naechsten Monat eroeffnet. Sie war total lieb! Schenkte uns Mangos, jede Menge Wasser und schickte ihren Angestellten mit uns zum Restaurant, um fuer uns zu bestellen!

Am Abend sangen wir ihren Angestellten einige Lieder vor. Sie freuten sich so! Im Gegenzug wurden uns burmesische Lieder und ein burmesischer Tanz vorgetragen. Es war einfach nur toll!

Die Besitzerin lebte lange in San Francisco und sprach auch sehr gut Englisch. Alles so perfekt. Die Reise hatte wunderschoen begonnen.

 

11.5.2014 Okkan-Gyobingauk (92km)

Wir standen wieder um 4.15 auf, beluden die Raeder und fruehstueckten Broetchen, Mango und Bananen, sowie Instantkaffee vor unseren Zimmern. Es war waermer als gestern und wir fuhren die meiste Zeit nicht gemeinsam. Katya und ich fuhren zusammen. Als wir einmal anhielten, kam eine Frau aus einem Shop und brachte uns zwei Flaschen Wasser. Einfach so!!!

Beim naechsten Rast wurden wir eingeladen, einer Zeremonie junger Moenche beizuwohnen. Ich glaube, dass wir den Moenchen ein wenig die Show stohlen, weil alle damit beschaeftigt waren, uns anzuschauen, oder zu fotografieren. Wieder wurden uns Getraenke und sogar Energy-Drinks in Dosen gebracht! Wir wurden wie Koenige behandelt!

Die drei kleinen Moenche wurden zu uns gefuehrt und wir konnten ihre wunderschoen bemalten Gesichter aus der Naehe betrachten.

Als Katya und ich spaeter anhielten und uns setzten kam eine aeltere Frau und brachte uns Mangos von ihrem Baum! Nicht nur das, sie schaelte sie sogar fuer uns. Sooo lieb!

Langsam fuhren wir weiter. Unsere Hinterteile machten uns zu schaffen. Wir versuchten, uns auf die wunderschoene Landschaft zu konzentrieren. Katya sagte immer wieder, wie gluecklich sie sei, dass ich mitgekommen bin.

Wir fuhren 92km, bevor wir zu Mittag assen!!! Als wir ankamen, waren die Jungs schon am Essen. Wir bestellten unser Essen, Katya schlief am Tisch ein. Wir beschlossen, dass wir in Gyobingauk uebernachten werden. Es war wirklich genug des Radelns fuer heute! Chris hatte schon ein schoenes Hotel fuer uns gefunden. Zimmer mit Kuebel-Dusche und Aircon J fuer 7.50 Dollar pro Person. Mike und ich lachten ueber den tiefen Wasserhahn im Bad und ich erfand die Limbo-Dusche.

 

12.5.2014 Gobingauk-Pyay (95 km)

Katya und Mirko kochten sich Fruehstueck, der Rest von uns radelte ins Dorf und ass beim Inder.

Es war eine wunderschoene Fahrt heute! Die Landschaft mit gruenen Reisfeldern, in welchen ueberall goldene Pagodas zu sehen sind, verzauberte uns immer wieder aufs Neue. Die Strassen sind von uralten Baeumen gesaeumt und spenden uns Schatten. Auch die unglaubliche Herzlichkeit der Burmesen erfahren wir jeweils gleich mehrmals pro Tag. Heute schenkten uns verschiedene Personen immer wieder Blumen, welche wir ins Haar oder an die Raeder klemmen konnten. Als Katya und ich alleine fuhren, fuhr ein Mann mit einem Eimer neben mir. Er fragte in Zeichensprache, ob ich vom Inhalt des Eimers essen wolle. Wir hielten an und er griff in den Eimer und hielt uns einen RIESIGEN toten Kaefer hin und sagte, es sei sehr lecker! Wir lachten und fuhren weiter. Ich fragte Katya, was uns wohl als naechstes geschenkt wird... und siehe da, eine Frau schenkte uns Wassermelonen, einfach so! Ihre Freundinnen hatten grosse Freude an uns und wollten alle Katyas Haare anfassen J. In einem Restaurant, als ich nach einem Spiegel fuer meine Linsen fragte, bot mir die Frau noch einen Kamm an. Sie verstand wohl nicht ganz, was ich da genau tat.

Wir radelten 95km, zum Teil ueber kleine Huegel, was ziemlich anstrengend war.

Der Mittagsrast war heute etwas laenger. Die Herren spannten die Haengematten auf und wir hatten Zeit zum Singen und Schlafen. Es war super gemuetlich!

Ziemlich kaputt kamen wir gegen fuenf in Pyay an. Wir fanden sogelich ein Hotel. Chris fragte, ob ich mit ihm ein Zimmer teile und waehlte ein haerziges Zimmer mit Blumenvorhaengen vor dem Fenster und den Waenden aus. Wir liessen den Abend im koreanischen Restaurant ausklingen.

Anschliessend haengten wir zwei Ruhetage in Pyay an. Die meiste Zeit verbrachten wir mit Ausruhen, Essen oder am Abend, wenn es nicht mehr so wahnsinnig heiss war, einen Spaziergang am Fluss zu unternehmen.