Siem Reap bis Phnom Penh

Wir standen um halb sieben auf, assen unser am Vorabend gekauftes Fruehstueck und fuhren dann sehr erholt nach drei Ruhetagen los. Zuerst mussten wir Luft in die beinahe platten Reifen pumpen, bevor wir auf der Hauptstrasse Nr.6 in Richtung Phnom Penh losfahren konnten.

Die Landschaft war sehr schoen, wenige Autos auf der Strasse und alles so friedlich und gemuetlich. Ich genoss es sehr, wieder auf dem Rad zu sitzen, auch wenn ich merkte, dass ich die Ruhetage wirklich noetig hatte. Die ersten 40km flogen einfach so dahin, bis wir an einem Restaurant/Werksatthuette Rast machten. Sie bemuehten sich dort sehr, all unsere Wuensche zu erfuellen. Eine Person ging Gemuese einkaufen, eine andere schlug Eis fuer die Getraenke, die Grossmutter brachte uns Kissen und eine Matte und der Grossvater raeumte die Sachen der Werkstatt weg, so dass wir schlafen konnten. Auch haengte er fuer Mike extra eine Haengematte auf und richtete fuer uns den Sonnenschirm so, dass wir im Schatten sassen. Echt total unglaublich, diese Menschen!

Am Abend hielten wir nach 62km in einer groesseren Ortschaft an . Wir quartierten uns im erst besten Guesthouse ein. Beim Duschen entdeckte ich eine RIESEN Spinne an der Wand. So zirka 7cm Durchmesser, behaart, mit dicken Beinen. Die Besitzerin entfernte sie lachend mit einer Tuete. Als ich dann die Haare wusch, kletterte ein noch viel groesseres Exemplar die Wand hinauf. Nass und mit tropfenden Haaren stuermte ich wieder aus dem Bad. Ich kam mir ziemlich doof vor! Natuerlich verbergen sich ueberall Spinnen, wenn man ohne Komfort reist! Und dennoch konnte ich meine Phobie nicht wirklich unter Kontrolle halten. Ich war jedoch froh, dass auch die Jungs ziemlichen Respekt vor diesen Riesenspinnen hatten.

Wir schauten uns nach dem Abendessen noch ein anderes Guesthouse an und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass wir den Schlafplatz wechselten. Wirklich, jedes andere Tier darf jederzeit bleiben, aber bei Spinnen verstehe ich ab einer gewissen Groesse einfach sehr wenig Spass...

Das neue Gesthouse war viel schoener, spinnenfrei, dafuer wurde im Nachbarhaus bis Mitternacht Hochzeit gefeiert in enormer Lautstaerke. Man kann einfach nicht alles haben. Irgendwann fanden wir dann trozt Gedudel ein wenig Schlaf.

Punkt 4.30 Uhr am naechsten Morgen ging die Musik im Nachbarhaus wieder an!!! In der selben Lautstaerke! An Schlaf war natuerlich nicht mehr zu denken und das Geklimper stoppte auch nicht mehr.

Wir machten uns deshalb auch sehr frueh auf den Weg. Um 6.30 klingelte der Wecker (diesmal vergeben, da wir schon zwei Stunden wach lagen) und kurz vor sieben schoben wir die Raeder an der lauten Musik vorbei zur Strasse. 

Dort trafen wir auch schon auf den "Hochzeitsumzu"g. Eine lange Menschenschlange in schoenen Kleidern, bereits geschminkt und top gestylt. Wahrscheinlich waren alle um halb fuenf aufgestanden und haben sich in Schale geworfen. Da die Temperatur am Nachmittag locker 40 Grad im Schatten betragen kann, verstand ich es vollkommen, dass man in Kambodscha frueh morgens heiratete.

Ich ging fuer die gesamte Mannschaft Bananen kaufen auf dem Markt. Dort schaute ich einer Einheimischen zu, so dass ich schon im Vornherein wusste, wieviel die Bananen zu kosten hatten. Neben dem Verkaufsstand zappelten einige Fische in einem Korb.

Die Route heute war wie immer total flach und fuehrte gerade aus. Einige Kurven machten die Strasse etwas interessanter, ansonsten unterschied sich nicht viel von den anderen Tagen. Ich mochte die Landschaft, die einfachen Huetten und die froehlichen Menschen sehr. Ueberall schreien uns Kinder „hello hello“ zu und rannten aus dem Haus auf die Strasse. Man konnte die Hand gar nicht mehr zum Lenker fuehren, da man theoretisch andauernd am Winken war. So toll, dass die Bevoelkerung es so aufregend findet, wenn wir auf unseren Raedern vorbei fahren.

An diesem Tag hatte Ram einen Unfall. Er uebersah eine Bodenwelle und stuerzte auf den Kopf. 

Es sah schlimmer aus, als es war. leider trug er trug jedoch einige Wunden und Schuerfungen, sowie Schmerzen im Kiefer davon. Wir verarzteten ihn und er radelte tapfer weiter.

Wenig spaeter sah ich einen jungen Mann, welcher mit der  Hand eine ca. 1.50m lange Schlange fing und sie dann schwang, damit sie ihn nicht biss. Interessante Technik...

Gegen Mittag fragten wir eine Familie, ob wir vor ihrem Haus ein wenig ausruhen duerften. Natuerlich brachten sie wieder eine Decke und Kissen; Mike spannte seine Haengematte auf.

Fabian meinte nur, ich solle mir dies mal in der Schweiz vorstellen. Da kommen irgendwelche verschwitzte fremde Radler und fragen, ob sie ein wenig in unserem Garten sitzen duerfen. Und dann bringen wir ihnen auch noch eine Decke und Kissen...unvorstellbar!

Es war ein unglaublich heisser Tag (erneut 40 Grad am Schatten). Wir bissen und kaempften uns durch, hatten wir uns doch vorgenommen ca. 86km zu radeln. Jeder von uns litt und zaehlte wohl die Kilometer. Diese Strapaze muss war jedoch notwaendig, wenn wir in drei Tagen bis nach Phnom Penh kommen wollten.

Wir legten noch so einige Pausen ein und ich hatte das Gefuehl, dauernd durstig zu sein, egal, wieviel ich trank. Bis zum Tagesende waren es mindestens fuenf Liter und ich haette die ganze Nacht ueber weiter trinken koennen!

Nach einem langen Tag kamen wir in Kampong Thom an. Diesmal nahmen wir nicht das erst beste Hotel und fanden dann ein sauberes Guesthouse. Wir assen gleich nebenan, da langes Spazieren nicht mehr so unseren Gemuetern entsprach. Waehrend des Essens witzelten wir darueber, dass man „wedding proofe“ Kissen fuer Kambodscha erfinden sollte.

Das Wetter war bewoelkt am kommenden Morgen, es sah ein wenig nach Regen aus. Wir fuhren so schnell als moeglich los, um das „kuehle Wetter“ zu nutzen. Leider plagte uns starker Gegen- und Seitenwind. Wir alle waren total ausgepowert von den zusaetzlichen Strapazen und kamen nur langsam voran. Auch merkten wir sicher die rund 80km von gestern. Nach 40km entschlossen wir uns gegen elf Uhr eine Essenspause einzulegen. Als wir feststellten, dass das Restaurant auch ein Guesthouse war und sogar Massagen anbot, begannen wir zu ueberlegen, ob wir nicht gleich bleiben sollten. Wir diskutierten lange darueber, was zu tun war und entschlossen uns schlussendlich in diesem Ort zu bleiben.

So quartierten wir uns nach dem Mittag in einem sehr schoenen Guestouse ein, gingen noch ein wenig auf den Markt, wo Schweinekoepfe neben Flipflops verkauft wurden. Fabian wagte sich sogar zum lokalen Friseur und liess sich fuer einen Dollar einen Haarschnitt verpassen.

Das Guesthouse in Kamphong Thnor war leider nicht wedding proof. Gleich nach unserem Essen begann das ueberlaute Gedudel neben dem Hotel. Wir gingen extra nochmals die Zimmer ueberpruefen und hoerten bei geschlossener Tuer genau hin, ob der Laerm ertraeglich war.

Trotz Hochzeitsmusik um vier Uhr morgens standen wir am kommenden Tag erst um sieben auf. Mit Gehoerschutz war das Geklimper ertraeglich. Eine Tasse lokalen Kaffees und ein paar selbst gekaufte Brote, sowie Marmelade von vorgestern waren ein perfeter Start in den Tag. Anschliessend rollten wir die 55 km nach Skun gemuetlich. Es war nicht so heiss und zum Teil sogar etwas windig. Da wir wussten, welche Distanz wir fahren wuerden, verzichteten wir auf das Mittagessen waehrend der Fahrt und fuhren ohne Verpflegung die gesamte Distanz. Zum Glueck hatten wir uns gestern dazu entschieden, im Guesthouse an der Kreuzung zu bleiben. Es waere viel zu weit gewesen, bis nach Skun zu fahren mit dem kraeftezehrenden Gegenwind am Morgen und den 90km in den Beinen vom Vortag.

Skun war ein ziemliches Loch. Ein paar Restaurants, ein Markt, drei Guesthouses, kein Wifi im gesamten Ort, alles ziemlich staubig. Aber wir fanden sehr gutes Essen (Mike isst nun auch vegetarisch, seit wir auf dem Markt waren) und ein sauberes und schoenes Guesthouse weit ab von jeder Hochzeit. Wir schliefen den gesamten Nachmittag, da wir schon um eins am Ziel ankamen. Nach einem guten Abendessen erstand ich in einem Geschaeft Pokerkarten. Wir spielten den gesamten Abend ueber „Tschau Sepp“, benannten das Spiel jedoch zuerst in „bye Sepp“, da Ram Englisch spricht und spaeter in „pingping - orkun“, welches die beiden einzigen Woerter sind, welche wir auf kambodschanisch kennen. „Pingping“ heisst „Spinne“ und „Orkun“ bedeutet „danke“. Das war sehr witzig. Da Ram sehr schnell lernt, konnten wir bald schon zu einem „Schieber“ uebergehen. Was ebenfalls fuer Gelaechter sorgte, war der Versuch, ein Foto mit dem Selbstausloeser zu machen, wobei wir den Fotoapparat auf eine schraege Flaeche stellen und mit einem Kamm unterlegen mussten. Es bedurfte einiger Versuche, bis es wirklich funktionierte. Ein guter Tag mit viel Lachen und wenig Anstrengung.

Der folgende Tag begann frueh, da wir eine lange Strecke vor uns hatten. Gemuetliches Kaffeetrinken und selbst mitgebrachtes Brot im Restaurant essen gehoerte schon fast zum morgendlichen Ritual.

Mike hatte am Vorabend noch gesagt, dass er sich darauf freue, auf einer guten Strasse in die Hauptstadt einzurollen. Die Fahrt startete ganz gut, mit schoener Strasse, ein wenig Gegenwind. Ich posierte vor einer grossen Spinne, wir hielten fuer Drinks...es begann alles ganz wunderbar. Wir machten Halt  in einem Restaurant und tranken Kaffee. Zu meinem Entsetzen hielten sie dort in einem Terrarium lebendige Taranteln!!! Eine der Angestellten fasste ohne mit der Wimper zu zucken in den Glasschrank, nahm eine Spinne und setzte sie auf den Rand des Terrariums. Ich bin beinahe in Ohnmacht gefallen!

Nach der Pause und erst etwa 20km in den Beinen, wurde die Strasse jedoch zu einer roten Holperpiste ohne Asphalt. Nicht genug dass wir durchgeschuettelt wurden, dank der unglaublichen Trockenheit war die Luft so mit Staub gesaettigt, dass wir zum Teil nur wenige Meter weit sehen konnten. Mike montierte den Mundschutz und ich das erste Mal auf der Reise meine Sonnenbrille. Es war ein unglaublich harter Kampf. Dauernd musste ich den Blick auf die Strasse richten, anstatt einmal die Landschaft bewundern zu koennen. Weiter war das andauernde Schuetteln nicht sehr angenehm und das erste Mal auf der ganzen Reise spuerte ich meinen Hintern.

So ging es 50km weiter. Ram radelte uns flott voraus, keine Ahnung, was er gegessen hatte, da er normalerweise immer hinten fuhr.

Wir sahen aus wie Zombies, als wir nach ewig langer Fahrt und viel Willenstaerke kurz vor Phnom Penh einen letzten Halt einlegten. Wir waren noch nie so verschwitzt und total schmutzig wie heute! Fabian meinte, dass er heute das erste Mal nicht duschen werde. 

Zur Erinnerung an die Strapazen baten wir jemanden, von uns ein Foto zu machen. Echt unglaublich, sogar die Haaerchen auf den Armen waren hell vor lauter Staub!

Ich glaube alle von uns waren mehr als nur erleichtert, als wir gegen vier Uhr Phnom Penh erreicht hatten und die Strasse wieder besser wurde. Wir versuchten, durch den ungewohnt dichten Verkehr der Stadt zu schlaengeln. Ram fuehrte uns direkt und ohne Umweg an den Fluss und somit in eine Gegend der Stadt, in welcher es gute Restaurants, Hostels, aber auch wieder viele Touristen gab. Dies war etwas seltsam, da wir seit beinahe zwei Wochen fast nur von Kambodschanern umgeben waren.

Nachdem wir eine Serbin getroffen hatten, welche schon 20 Monate alleine unterwegs ist und auch drei Monate alleine durch China reiste (und meinte, dass dies ihre schwierigsten Monate waren....), suchten wir uns ein gemuetliches Guesthouse.

Die Freude ueber ein schoenes Hotelzimmer nach diesem Tag war riesig. Das Duschen dauerte laenger als gewohnt. Gleich nachdem wir uns wieder in normale Menschen verwandelt hatten, gingen wir auf die Suche nach einer Waschgelegenheit fuer die Raeder. Ein Shopbesitzer in der Naehe des Hostels wusch uns die Raeder fuer 30 Rappen pro Rad! Er nahm es sehr genau, verwendete sogar Seife, so dass die Fahrraeder am Ende besser dufteten als ihre Besitzer!

Wir erholten uns bei gutem indischen Essen und gingen sehr frueh schlafen. Mike’s Post an diesem Abend auf Facebook:

„Letzte Etappe für mich und gleichzeitig die Königsetappe..

Bei 35-40 Grad.. über ca. 30 km staubige und holprige Baustelle.. mit ca. 80 km Tagestotal.. sind wir alle doch ziemlich fertig und trotzdem glücklich in der Hauptstadt von Kambodscha angekommen.. e Gruess in d Wält us Phnom Penh“

Grossstadtgroove seit langem wieder einmal. Eine ganze Auswahl an Moeglichkeiten zum gemuetlichen Fruehstuecken, sehr ungewohnt. Wir entschieden uns fuer ein kleines Restaurant mit einer etwas seltsamen Bedienung, welche uns Fragen stellte und dafuer ein Souvenier gab. Eine gefaltete Note.

Danach versuchte Ram sein Visum zu verlaengern und wir buchten fuer den Nachmittag einen Bus nach Shianoukville am Meer. Zwischenzeitlich sassen wir in der kuehlen Lobby und warteten auf den Bus, welcher uns gleich dort abholte. Die Raeder und einen grossen Teil des Gepaeckes konnten wir im Hostel lassen.