Von der Grenze nach Siem Reap

Grenze bis Preah net Preah

Seit wir auf der Tour sind, schliefen wir das erste Mal aus und standen erst um neun auf. Fruehstueck gab es im Casinohotel nicht, so dass wir im Coffeeshop den letzten Luxus vor Kambodscha genossen. Anschliessend wollten wir die Grenze passieren, unsere am letzten Tag erstandenen Visa stempeln und losradeln. Doch leider meinte der Beamte am Schalter, dass dies nicht moeglich sei. Wir haetten die Paesse am Vorabend abstempeln sollen, da man nicht einfach so eine Nacht in keinem Land uebernachten koenne. Das leuchtete zwar ein, klang jedoch schon fast ein wenig schweizerisch. Er beharrte darauf, dass wir eine "Overstay"-Gebuehr bezahlen mussten. Sein Kollege bat uns schliesslich wieder aus der Schlange von Einreisenden auszuscheren und auf Plastikstuehlen sitzend zu warten, bis er mit seinem Vorgesetzten gesprochen hatte. Dies dauerte zum Glueck nicht lange. Er schaerfte uns nochmals ein, dass dies nicht ok sei und wir das naechste Mal unseren Stempel am selben Tag holen muessen. Zur Strafe mussten wir nochmals hinten an der Einreiseschlange anstehen.

Danach ging alles ganz flott, wir schauten uns ein wenig die neue Verhaltensweisen der Menschen gleich nach der Grenze an, wechselten Geld, kauften Wasser und machten uns dann auf den Weg. Die Strasse war staubig, die Menschen deutlich aermer und die Fahrzeuge meist total ueberladen. Der Verkehr wurde weniger, nur selten noch donnerten Lastwagen an uns vorbei. Die Landschaft war zuerst sehr gruen mit Baeumen, wechselte dann aber zu einer oeden, grasueberwachsenen Leere. Nur selten noch sahen wir ein Dorf, vereinzelt standen Huetten am Strassenrand. Jedoch ueberall wo wir vorueberfuhren sprangen Kinder aus den Huetten, um uns „hello“ und „good bye“ zuzurufen. Am besten laesst man hier eine Hand gleich oben beim Fahren, so dass man jederzeit winken kann.

Mir gefielen die Menschen in Kambodscha total, so froehlich und freundlich und weniger scheu als die Thais. Wir fuhren ziemlich schnell und Ram machte sich sogar einen Spass daraus, den traktoraehnlichen Fahrzeugen nachzufahren und diese dann wenn moeglich sogar zu ueberholen! Und alles in dieser Hitze!

Wir hatten ein wenig Muehe Essen zu finden, bei den vegetarisch- und veganen Spezialwuenschen. Wir fanden dann schlussendlich doch noch ein Resti, welches unsere Wuensche in Gemueseteller und Reis umsetzen konnte. Einige Menschen sprachen Thai, so dass Ram sich mit ihnen verstaendigen konnte.

Unterwegs trafen wir die ersten Radler. Ein Paerchen aus Barcelona. Er war schon acht Monate unterwegs, in Barcelona gestartet. Sehr eindruecklich!

Wir machten kleinere Pausen, unter anderem bei einer Familie, deren kleiner Sohn "Rambo" hiess. Sie verkauften Getraenke und Insekten am Strassenrand in einer kleinen Huette. Als wir ankamen brachten sie Ram sogleich ein Tuch und ein Kissen, damit er sich ein wenig ausruhen konnte. Fabian zeigte den Kindern danach seine Fotos und die ganze Familie schaute gespannt zu.

Wir waren spaet los gefahren und deshalb ein wenig unter Zeitdruck. Die Hotels waren sehr duenn gesaeht. So beschlossen wir, in Sisiphon trotz fortgeschrittener Zeit noch weiter zu fahren, um 20km weiter nach einer  Uebernachtungsgelegenheitzu suchen. Unterwegs zu diesem Hotel hatten wir dann auch die erste Panne; Mikes Kette riss. Fabian konnte sie jedoch schnell wieder flicken und wir fuhren weiter.

Leider gab es in der kleinen Ortschaft, welche wir aufsuchten kein Hotel. Eine Familie bot uns an, in ihrem Vorgarten zu schlafen. Wir fanden dann doch noch ein imporvisiertes Guesthouse mit Familienanschluss. Die Frau kochte fuer uns. Die Jungs waren sich solch spontanes Reisen nicht so gewohnt, fuer mich war es ziemlich normal. Das Homestay bot Stehklo und Eimerdusche. Wir lernten noch ein wenig die Khmersprache von einem kleinen Jungen und gingen dann schlafen. An diesem Tag fuhren wir 72km in knapp 4h.

 

Preah net Preah to Siem Reap

Wir entschlossen uns, frueh aufzustehen und die lange Etappe von ca. 85km nach Siem Reap unter die Raeder zu nehmen. In dem kleinen, abgelegenen Ort fanden wir sogar ein gutes Cafe, welches eine Thai Bedienug hatte.

Danach ging es los. Die Strasse war immer noch gerade und flach, die Landschaft wechselte minim. Schon kurz nach dem Morgenkaffee ohne Brot hielten wir wieder Ausschau nach einem Restaurant. Wir waren hungrig, denn so ohne Essen loszufahren ist doch nicht ganz ohne. Schliesslich fanden wir ein Restaurant an der Strasse. Die Besitzerin kochte uns Nudeln mit Ei. Das Gericht sah ein wenig gewoehnungsbeduerftig aus, schmeckte aber ganz ok.

Gegen Mittag schauten wir eine Tempelanlage an und machten das erste Mal einen kleinen Mittagsschlaf. Dies war wirklich sensationell! Mein Koerper war zwar total schwer nach dem Nickerchen, doch der Geist wieder frisch. So fuhren wir bis uns der Hunger wieder plagte. Wir mussten in einigen Strassenkuechen nachfragen, bis wir endlich vegetarisches Essen bekamen. Ram hatte die Anweisugen in der Khmersprache aufschreiben lassen, so dass wir nun jeweils nur noch den Zettel vorweisen mussten. Vor dem Restaurant stehend sahen wir andere Radler auf uns zu fahren. Wir winkten ihnen und sie hielten an. Nach laengerem Gespraech und grosser Freude, setzten sie sich zu uns zum Essen. Die beiden stammten aus Canada und waren seit November zusammen unterwegs. Sie starteten die Radtour in Bangkok, verbrachten jedoch zwei Monate, bis sie am selben Punkt waren wie wir. Sie waren der Kueste Thailands gefolgt, dann ueber die Berge gefahren und hatten so manches Abenteuer erlebt. Ihr Ziel war es, moeglichst auf Nebenstrassen zu fahren. So teilten sie ihre Erfahrungen mit uns. Die beiden waren mit Rennraedern unterwegs und hatten sogar eine Gitarre mit im Gepaeck!

Louis und Neomi fuhren bis Siem Reap mit uns. Es war ein lustiges Bild, ploetzlich eine unorganisierte Radgruppe von acht Personen zu sein. Kurz vor dem Ziel goennten wir uns noch eine Kokosnuss und fuhren anschliessend im ersten Etappenziel ein. Sogleich fanden wir ein Guesthouse, wo wir fuer 6 Dollar pro Nacht uebernachten konnten.

Neomi begleitete uns zum Nachtessen, Louis wollte lieber schlafen. Wir leisteten uns ein Tuktuk, um in die Stadt gefahren zu werden. Was fuer ein Luxus, wenn man Raeder vor dem Guesthouse stehen hat! Es wurde ein echt witziges Abendessen und wir alle genossen das leckere Essen im indischen Restaurant. Anschliessend gingen wir ueber den Nachtmarkt und spazierten zurueck zum Hotel.

Danach fielen wir todmuede ins Bett. Am folgenden Tag wollten wir ein wenig ausschlafen und einfach mal erholen von den sechs strapazioesen Reisetagen.

Wir waren 88.7km "on the road" an diesem Tag.