Tuy Hoa bis Hoi An

Der Kueste entlang in Richtung Norden

Der Ruhetag hatte gut getan. Wir radelten sehr zuegig in Richtung Norden. Zum Teil war die Strasse sehr befahren, dann aber auch wieder ziemlich einsam. Die Landschaft war etwas hueglig, ermoeglichte immer wieder einen atemberaubenden Ausblick aufs Meer. Wir entschieden und dann dazu, den „highway“ zu verlassen und die 1D zu nehmen, dem Meer entlang. Gleich zu beginn der Strasse trafen wir auf einen anderen Radler! Total vermummt fuehrte er ein kurzes Gespraech mit uns. Sein Englisch war nicht so gut, aber wir konnten ihm entlocken, dass er aus China kam und nach Bangkok radeln wollte. Welch ein Zufall! Er schien sehr schnell unterwegs zu sein, hatte wenig Gepaeck.

Nach diesem aufmunternden Halt hatten wir noch 27 Kilometer durch Duenen, ueber Huegel und durch einige Waelder zu bewaeltigen. In der Abendsonne eine wunderschoene Fahrt. Ich genoss diesen Tag in vollen Zuegen. Am letzten Aufstieg war ich jedoch fix und fertig! Hatten wir am Mittag doch nur eine Nudelsuppe gegessen und sonst nichts mehr. Ich kramte die karamelisierten Nuesse aus meinem Notvorrat und ass davon, was mir dann genug Kraft gab, um die letzte Steigung zu meistern. Danach folgte eine lange Abfahrt, auf welcher wir immer unser Tagesziel, Qui Nhon, im Visier hatten. Nach langen, aber wunderschoenen 94 (!!!) km fanden wir dann auch relativ schnell ein Hotel am Meer.

Qui Nohn war eine pulsierende Stadt direkt am Meer, eingebettet in gruene Huegel. Es wimmelte von Menschen, aber wir schienen die einzigen Auslaender zu sein.

Im Coop blieben viele Leute, vor allem Kinder, stehen und starrten mich einfach an. Als ich einmal auf Ram wartete, wurde ich richtig gehend umringt von Menschen und einfach angestarrt. So extrem war es zuvor noch nie und ich fuehlte mich schon ein wenig unwohl.

Am folgenden Morgen gingen wir im Backpackers nebenan fruehstuecken. Es war toll, wiedermal RICHTIGES Fruehstueck geniessen zu koennen. Mit Kaffee, richtiger Milch und allem drum und dran. Wir gingen kurz an den Strand, bevor wir so gegen halb elf los fuhren. Ram suchte ewig nach Bankomaten, welche einigermassen anstaendige Summen ausspuckten, Fehlanzeige. Wir versuchten, die Strasse dem Meer entlang zu radeln, mussten jedoch feststellen, dass es ein riesen Umweg gewesen waere. Also kehrten wir um und fuhren die 10 km zur AH1 zurueck.

Obschon wir erst um zwoelf starteten, kamen wir gut voran. Es war enorm heiss. Irgendwann wollte ich nur noch in eine Haengematte liegen und etwas ausspannen. Ram war hungrig und ging essen, ich fand ein Cafe, in welchem die Besitzer extra fuer mich eine Haengematte aufspannten! Als ich wieder aufwachte, war es schon drei Uhr!!! Einen Fruchtshake und eine sehr neugierigen Frau (wann heiratete ihr, weshalb habt ihr keine Kinder usw) spaeter, fuhren wir die letzten 20 km bis zum Tagesziel.

Es verging einige Zeit, bis wir ein Hotel fanden. Dabei handelte es sich um ein ziemliches Loch ohne Fenster, aber da wir spaet ankamen, spielte es auch nicht mehr eine so grosse Rolle. Wir waren noch 1000km von Hanoi entfernt.

Von gut geputzten Raedern und neuen Frisuren

Die Strecke war zwischenzeitlich schoen, aber mehrheitlich nichts besonderes. Viele Autos, ein Dorf klebte am naechsten, die Strasse war wirklich total flach, so dass wir spaet losfahren konnten und immer noch beinahe 70km unter die Raeder brachten.

Am folgenden Mittag fanden wir kein Vegiresti, aber die Einwohner des Dorfes zeigten auf einen kleinen Tempel. Und siehe da. Dort wurde gerade gegessen und wir wurden einfach so zum vegetarischen Mittagessen eingeladen! Geld wollten sie keins, man konnte fuer den Tempel Spenden in eine Box legen. Ein Mann packte uns noch in Bananenblaetter eingewickelten Reis und Cola ein fuer die Weiterfahrt. Wieder einmal einfach unglaublich!

Wir fuhren weiter bis zu einem Badestrand, wo wir einen Ruhetag einlegen wollten. Zuerst schauten wir uns ein Resort an, welches Zimmer fuer 22 Dollar anbot. Schoen und gediegen, aber wir fuhren dann doch weiter. In einem anderen Hotel fanden wir ein beinahe ebenso schoenes Zimmer fuer 10 Dollar. Der Besitzer war etwas schraeg, schlug Gegckos mit dem Besen tot...aber was solls...

Ruhetag. Nach gemuetlichem Ausschlafen gingen wir in den kleinen Ort, assen Fruehstueck und liessen anschliessend die Raeder waschen. Der Angestellte deutete auf zwei Stuehle. Seltsam, normalerweise wurden die Raeder kurz abgespritzt und das wars. Diesmal jedoch wurde ganze Arbeit geleistet! Mit Vorwaesche, dann Seife und schliesslich putzte er die Speichen und Zwischenraeume mit einem PINSEL sauber! Wir getrauten uns danach gar nicht mehr auf die schmutzige Strasse und ueberlegten schon, die Raeder den Rest der Reise zu tragen. Der ganze Spass kostete 75 Cents! Auch Rams zweiter Friseurbesuch war ein Erfolg; waschen, schneiden und faerben fuer 3 Dollar!

Spaeter badeten wir im Meer, sehr stilgerecht, ich in meinen Velosachen (Bikinis traegt niemand, alle baden in den Alltagskleidern). Das war entspannend. Ram meinte, dass die Hunde sehr viel magerer werden, wenn sie im Meer baden, bevor sie modeln, wuerden sie einfach im Meer baden gehen :-).

Wir packten am folgenden Morgen, ich suchte einige Zeit meinen Tachometer, dann fuhren wir los. Fruehstueck gab es im kleinen Dorf, bestehend aus einem leckeren Sandwich mit Ei. Dazu vietnamesischen Kaffee mit Kondensmilch und eine Flasche Eistee. Den Rest der am Vorabend gekauften Melone verschenkten wir einem Bettler. Waehrend des Fruehstuecks sah ich zwei Frauen auf Raeder vorbei rasen. Beide hatten einen Rucksack auf dem Gepaecktraeger, waren jedoch zu schnell unterwegs, als dass ich ihnen haette rufen koennen.

Halb Europa kam uns auf der Gegenfahrbahn entgegen....

Die Strecke war flach, fuehrte durch einige Salzfelder, ansonsten ziemlich unspektakulaer. Dorf an Dorf, viele Laster, viel Gehupe. Da heisst es, auf Durchzug schalten und die Kilometer abspuhlen. Ram raste richtig. Ich hatte Muehe, ihm zu folgen. Leider fanden wir kein Vegiresti, so dass wir erst an der Enddestination, Quan Ngai, etwas assen, nachmittags um drei Uhr!! Unterwegs kamen uns fuenf Mobilehomes entgegen im Abstand von ein paar Kilometern. Alle mit deutschen Nummernschildern...ob halb Deutschland seine Sachen gepackt hatte und im Camper nach Vietnam fuhr? Es blieb ein Raetsel. Sicher war nur, dass am Steuer jeweils ein Pensionaer sass. Einer glich dem anderen aufs Haar. Kurze Zeit spaeter fuhr uns DIE grosse Ueberraschung entgegen. Ein militaeraehnliches Fahrzeug mit einer TESSINER Nummer!!! Ich traute meinen Augen nicht und fiel beinahe vom Rad. Weshalb wuerde jemand in einem solchen Riesending von Auto aus dem Tessin nach Vietnam fahren? Ueber welche Route??? Seltsam....

Die Strecke blieb relativ langweilig, staubig und trocken bis auf die letzten 20km des naechsten Tages. Die Landschaft wurde wieder gruener, so dass sich das Auge erholen konnte. Sobald wir die Provinzgrenze zur Quang Nam Provinz passiert hatten, schien es mir, als waere in dieser Provinz viel mehr los, die Haeuser groesser, die Menschen wohlhabender. Auch fuhren wir am ersten riesigen Krankenhaus vorbei, seit wir Saigon verlassen hatten.

Ram raste erneut, wir fuhren die 68km in wenigen Stunden und waren nicht mal sehr muede. Als wir in Tam Ky ankamen, wollten wir eigentlich zur Feier des Tages Fruchshake trinken. Die Dame verstand uns dann jedoch falsch und wir kriegten ein Glas mit Fruechten, Cornflakes, Nuessen und Eis vorgesetzt. Leider versteckte sich auch ein wenig Durian (Stinkfrucht) in dem ansonsten sehr leckeren Dessert.

Wir fanden anschliessend ein sehr sauberes Hotel mit Aircon, frisch gemoppten Boden fuer 150 000 Dong. Sehr gut. Auch das Nudelsueppchen im Resti war beinahe nicht zu uebertreffen.

Am Abend skypte ich mit meinem Bruder, welcher nach einigen Touren um Hanoi herum nun entscheiden musste, wie es weiter ging. Wollte er heim fliegen? Oder nach Bangkok um dort einen Englischkurs zu besuchen? Oder nochmals mit uns ein wenig weiter radeln? Er wusste es noch nicht und das Entscheiden fiel ihm nicht leicht.

In der Hitze nach Hoi An

Der letzte Abschnitt bis nach Hoi An war nicht besonders lang. Es war etwa Mittag, als wir das sehr sehr saubere Hotel verliessen, da Ram am Morgen noch ein Vorstellungsgespraech ueber Skype fuehrte. Die Hitze (ca. 40 Grad) schlug uns entgegen und die Strassen waren wie leer gefegt. Es war viel weniger los an diesem Montag morgen, als an einem Sonntag!

Die Strasse war erneut sehr befahren, nichts besonderes links und rechts. So spulten wir die Kilometer ab. Am Nachmittag hielten wir an einer Ecke und assen Sandwiches. Ein suesser kleiner Junge und ein alter Mann witzelten die ganze Zeit miteinander. Der Mann machte auch mit mir Scherze auf Vietnamesisch...leider verstand ich sie nicht.

Waehrend der Pause sahen wir ein etwas verwirrtes Paaerchen aus Australien auf Raedern. Top Ausruestung, es war ihr zweiter Tag auf dem Rad und sie schienen die Hitzte gar nicht zu moegen. Sie waren erst 30km gefahren und suchten total ausgepowert nach einem Hotel. Bedingt durch ihre seltsame Verfassung, kamen wir ueberhaupt nicht richtig ins Gespraech. Nachdem wir wieder los gefahren waren, sah ich ein Motorrad, welches einen Sarg auf einem kleinen Wagen zog! Leider war meine Kamera nicht schnell genug aus der Tasche zu kriegen.

Es war schon nach fuenf, als wir von der Hauptstrasse AH1 abbogen in Richtung Hoi An. Ich war ein wenig besorgt, dass wir es nicht mehr im Tageslicht schaffen wuerden. Die Sonne war schon beinahe hinter den Bergen verschwunden, als wir das total schnucklige Staedtchen Hoi An erreichten. Ein Mann auf einem Motorrad fragte mich gleich beim ersten Halt, ob wir ein guenstiges Hotel suchen wuerden. Er fuhr voran und zeigte uns eine Bleibe, ohne ein weiteres Wort zu verlieren fuhr er anschliessend davon.

Wir blieben im Hotel, duschten und gingen essen. Die Nudeln im ersten Restaurant stanken sehr nach Fisch, so dass ich auf das Essen dort verzichtete und beim Inder eine kleine Mahlzeit ass. Anschliessend goennten wir uns einen Fruchtshake und gingen ins Hotel, wo wir das erste Mal seit wir unterwegs sind fern sahen.

Fabian schrieb mir, dass er sich entschieden habe und wieder weiter fahren wolle mit uns!!! Damit haette ich ja gar nicht gerechnet. Er werde am folgenden Abend mit dem Zug von Ha Noi in Da Nang ankommen und reist dann weiter nach Hoi An. Good news, ich freute mich sehr.