Pyay nach Bagan

15.5.2014 Pyay – Aunglan (72.5 km)

Wir standen wieder frueh auf. Nachdem wir die Raeder beluden, genossen wir das tolle Fruehstueck, welches die beiden „Grosseltern“ des Guesthauses zubereitet hatten. Wir schlossen die beiden gleich nach der Ankunft ins Herz, sie waren soo lieb zu uns und lasen uns jeden Wunsch von den Augen ab! Als Dank schrieben wir ihnen eine kleine Karte.

Minsung hatte Bauchschmerzen, weshalb wir ziemlich spaet los fuhren. Nach weniger als einem Kilometer stellten wir fest, dass es nicht ging. Minsung schleppte sich nur so durch die Strassen, hatte wohl Fieber. So beschlossen wir, uns zu trennen. Minsung und Mike wuerden in Pyay bleiben und uns spaetestens in Bagan treffen.

Die Landschaft wurde sehr trocken, glich nun einer Wueste. Auch war die Strasse ziemlich holprig und die schattenspendenden Baeume fehlten beinahe gaenzlich. Es war  ziemlich hart in der prallen Sonne zu fahren. Wir machten nur eine kurze Pause und fuhren die gesamte Strecke von 72.5 km bis Aunglan durch. Katya und ich tranken am Ortseingang etwas, da wir ziemlich kaputt waren. Ein Burmese kam zu uns und teilte uns mit, dass die anderen beiden Radfahrer in einem Restaurant auf uns warteten. In diesem Land kann niemand verloren gehen!

Chris und Mirko warteten tatsaechlich in einem sehr schoenen Restaurant/Hotel auf uns. Wir assen und ich ging sofort schlafen.

Da wir unterschiedlich lange schliefen, merkten wir nicht, wie sich ein Unwetter naeherte. Irgendwann begann es heftig zu stuermen und zu regnen. Unschluessig warteten wir sehr lange, ueberlegten hin- und her, was wir tun sollten, da wir im Routenplan etwas im Rueckstand waren...Wir entschieden uns zu bleiben, mussten dann aber die folgenden Tage viel mehr Kilometer machen. Wir schauten uns die Zimmer an und entschieden uns fuer einen grossen Raum mit zwei Doppelbetten fuer 7.5 Dollar pro Person.

 

16.5.2014 Aunglan – Magway (129km (ich bin 100km geradelt und habe den Rest per Autostopp zurueckgelegt)

Wir standen sehr frueh auf, assen Fruehstueck im Zimmer. Katya verwoehnte uns mit selbstgemachtem Oatmeal. Dann verliessen wir das Hotel und starteten um 6.45! Die Landschaft blieb sehr karg und duerr. Um sieben Uhr zeigte das Thermometer schon 29 Grad!! Die Strasse schlaengelte sich ueber viele kleine Huegel, was ebenfalls an unseren Kraftreserven zehrte. Wir nahmen dann eine „Abkuerzung“ in Richtung Magway. Diese Strasse fuehrte durch eine wuestenaehnliche Landschaft. Kein Baum spendete schatten, alles war duerr und trocken. Miroslav’s Therometer zeigte 47 (!!!!!!) Grad. Gegen ein Uhr hielten wir die stechende Hitze nicht mehr aus. Auch machte mir mein Knie zu schaffen. So schliefen wir an einer Bushaltestelle, assen etwas im angrenzenden Restaurant. Wir schienen die Sensation des gesamten Dorfes zu sein.

Nach dem Rast fuhren wir weiter. Die Jungs wollten nochmals 50km fahren, obschon wir beinahe 80km hinter uns hatten. Mein Knie schmerzte und ich wollte nicht mehr weiter fahren. So hielten Katya und ich einen Minivan an, der mich dann auch mitnahm. Da das Auto schon voll war, mussten alle Mitfahrenden sich in den hinteren Teil des Autos zwaengen, damit mein Bike und ich in die ersten Sitzreihe passten. Das war echt unglaublich! Alle fanden es jedoch aeusserst unterhaltsam, dass ich mitfuhr. Ich hoffe, dass mein nicht gerade feiner Geruch die anderen nicht zu fest gestoert hatte. Ein Mann sprach sehr gutes Englisch. Er sagte, die Fahrt wuerde mich 4000 Kyat kosten (4 Dollar). Mir war das  recht. Auf dem Weg hielten wir bei Miroslav und Chris an und informierten sie, dass ich mit dem Auto nach Magway fuhr. Nach etwa einer Stunde (!!) Fahrt erreichten wir die Destination. Ich wurde am Ortseingang abgesetzt. Alle halfen mir mit dem Bike und dem Gepaeck. Der nette Herr, welcher Englisch sprach, sagte, er wolle mir helfen und bezahlte meine Fahrt (!!!!). Ich konnte es nicht fassen! Die Leute hier sind sooo unglaublich! Das waere verhaeltnismaessig wohl ein Geschenk von etwa 100 Franken! Ich bedankte mich herzlichst bei ihm  und hielt dann die Maenner davon ab, mein Bike zu beladen. Sie winkten und fuhren davon. Sogleich kamen ein paar Frauen der Strasse entlang und halfen mir beim Beladen des Bikes. Ich wartete etwa eine Stunde am Kreisel auf Chris. Es war schon dunkel, als er total ausgepowert ankam. Ich bewunderte ihn total! 129km war er gefahren, wobei das Gelaende ziemlich hueglig war. Wahnsinn! Wir mussten relativ lange ein Hotel suchen und bezahlten dann auch dementsprechend viel.

Katya und Miroslav haben wir an diesem Abend nicht mehr gesehen.

 

17.5.2014 Magway – Yenan-gyaung (51km)

Chris und ich schliefen aus bis um 6.20 Uhr. Danach genossen wir zwei Scheiben Toast im Restaurant im vierten Stock. Wir packten gemaechlich, ich war schon laengst ready mit dem Beladen des Rads, als er noch im Zimmer rumtroedelte. Ich fragte mich, weshalb er so langsam war, aber wie das Schicksal zeigen sollte, hatte dies schon seinen Grund.

Irgendwann, es war schon etwa acht Uhr, sagte ich ihm, dass ich an der Kreuzung auf ihn warten werde. Es dauerte erneut ziemlich lange. Als ich ihn erblickte, traute ich meinen Augen nicht! Mit ihm fuhren Mirko und Katya die Strasse entlang! Sie hatten sich anscheinend in der Naehe des Hotels auf der Strasse getroffen!! Haette er also nicht so lange getroedelt, haetten wir die beiden verpasst. Das Wiedersehen war soooo toll!

Wir fuhren gemeinsam weiter. Katya erzaehlte mir, dass die beiden gestern in den Haengematten an einer Busstation uebernachtet haben. Leider haette die Polizei sie geweckt, lange diskutiert und danach sei es viel zu heiss gewesen, so dass sie kein Auge zugetan haben. Am Morgen, als sie frueh losfahren wollten, merkten sie, dass das gesamte Gepaeck von Ameisen befallen war. Deshalb waren sie auch spaeter unterwegs, als geplant.

Die Strasse fuehrte uns durch eine wuestenlandschaft, die Temperatur stieg erneut auf 47 Grad und schattenspendende Baeume wurden zur Raritaet. Wir quaelten uns nur so dahin und als jedoch noch viele Huegel auf uns warteten, wurden wir immer langsamer. Katya war durch den Schlafmangel sichtlich am Ende ihrer Kraefte. Zudem ist ihr Rad viel schwerer beladen, als meines.

Als wir unter einem Baum durch fuhren, fiel eine gruene Schlange vor Katya auf den Boden und schlaengelte dann eilig davon. Jetzt weiss ich, weshalb ich meinen Helm trage!

Ich fuhr schneller als Katya und Mirko, wartete am anderen Ende einer Bruecke, welche ueber einen riesigen, total ausgetrockneten Fluss fuehrte. Ausser einer kleinen Baracke war kein Schatten zu sehen. Zwei junge Maenner auf einem Motorrad stoppten. Sie gesellten sich zu mir. Der eine sagte:“Three more people on bicycle, right?“ How did he know?

Dann setzte er sich zu mir, stand wieder auf und ging zu der einzigen Pflanze in der Naehe und kam mit einer gelben Frucht zurueck. Er sagte, diese Frucht sei gut, gegen Knieschmerzen. WOHER wusste er, dass ich Knieprobleme hatte? Er zeigte mir, wie ich die Frucht zerdruecken und auftragen sollte. Dann verabschiedete er sich. Das war speziell...die Frucht tat ihre Wirkung und ich hatte keine Knieschmerzen an diesem Tag...

Katya und ich quaelten uns durch die Hitze, stoppten unter jedem kleinen Busch und fragten uns, weshalb wir uns dies antun. Wir wuenschten uns, dass ein Baum immer mit uns wandern, oder eine „personal clowd“ mit uns ziehen wuerde.

Als wir Mirko trafen, war er auch ziemlich am Ende. Wir schafften es zur naechsten Siedlung, wo Chris uns freudig begruesste. Er hatte Minsung und Mike auf der Strasse getroffen! Wie durch ein Wunder hatten wir uns an diesem Tag alle wieder gefunden. Die Freude war riesen gross! Wir genossen ein vegetarisches Buffet und entschlossen uns, im Guesthouse neben dem Restaurant zu bleiben, da es fuer eine Weile keinen groesseren Ort mehr geben wuerde. Auch wollte niemand mehr zelten, weil es einfach zu heiss ist.

Mike und ich goennten uns ein Aircon Zimmer, die anderen nahmen mit einem Ventilator Zimmer vorlieb.

Am Abend fuhren wir ins Dorf. Es war ein tolles Erlebnis. Die meisten Menschen dort hatten wohl das erste Mal in ihrem Leben einen Auslaender gesehen. Wir wurden angestarrt, vom halben Dorf umzingelt und kleine Kinder begannen zu weinen und versteckten sich. Mike und Chris assen Nudeln. Bald schon waren die beiden nicht mehr zu sehen, so viele Menschen hatten sich um sie versammelt und schauten beim Essen zu.

Minsung und ich gingen in eine Nebenstrasse. Dort winkten uns ganz viele Menschen. Eine Frau huepfte sogar auf und ab und ich tat das selbe. Alle fanden dies extrem witzig. Wir machten Fotos, gingen ans Ende des Dorfes und dann durch einen wunderschoenen, etwas aelteren Teil des Dorfes mit einem Kloster und uralten Kolonialbauten. Es war zauberhaft und unendlich friedlich. Zum Schluss sassen wir lange vor der Pagode und unterhielten die einhemischen Jugendlichen. Es war ein schoener Tag.

 

18.5.2014  Yenan-gyaung – BAGAN (112km)

Wir standen super frueh auf, fuhren kurz nach fuenf los. Die Strecke fuehrte ueber viele Huegel und beinhaltete einige ziemlich steile Aufstiege. Erneut brannte die Sonne erbarmungslos auf uns nieder. Wir machten jedoch nur einen kurzen Rast.

Danach fuhren wir weiter durch die wuestenaehnliche Landschaft. Selten saeumten Haeuser die Strecke. Es war alles ziemlich ruhig und einsam. Gegen Abend kamen wir dann nach 10 Stunden und 112km auf den Raedern in Bagan an. Wir waren sooo froh! Am Eingang des Ortes sollten wir 15 Dollar bezahlen, als Kulturgebuehr. Miroslav sprach dann lange mit der Frau, bis uns schliesslich diese Gebuehr erlassen wurde. Von anderen Touristen hoerten wir spaeter, dass sie dort jeden Bus und jedes Taxi anhielten, um Geld zu kassieren. Als ich vor drei Jahren in Bagan war, musste noch niemand eine Gebuehr bezahlen...

Chris war schon im Guesthouse und hatte ein Zimmer organisiert, fuer stolze 9 Dollar pro Person im Dreibettzimmer.