Kaki Bukit nach Klang (Kuala Lumpur)

Schweren Herzens kramte ich meinen Pass aus einer meiner Satteltaschen hervor, um den Grenzübergang bei Kaki Bukit zu passieren. Die Mittagssonne brannte vom Himmel und der Schweiss tropfte förmlich von meinem gesamten Körper! Ich war froh, dass ich die einzige Person war am Grenzübergang.Nachdem ich einen traurigen Blick zurück auf die Thai Seite warf, schwang ich mich aufs Rad und stürzte mich ins neue Abenteuer. Malaysia fühlte sich so viel aufgeräumter an! Die Strassen waren gut ausgebaut, nirgends herrschte Chaos, das Land fühlte sich irgendwie kalt an, was jedoch nicht auf die drückend schwüle Aussentemperatur zurückzuführen war!

Schon nach wenigen Kilometern sah ich einen gewaltigen Anstieg vor mir. Die Strasse wand sich in kurzen Schleifen über den Berg. Ich musste feststellen, dass die Strassenführung nicht für Radfahrer gedacht war, da die Kurven eng und die Anstiege viel zu steil waren. In der Schweiz hätten wohl grosszügigere Schlaufen auf einen Berg geführt.Ich schob mein Rad grösstenteils, rang nach Atem, pausierte und wartete, bis ich wieder genug Luft kriegte, meine Lunge schmerzte! Der Anstieg schien sich ewig dahin zu ziehen, ich kam das erste Mal auf der Tour an meine Grenzen. Etwas stimmte nicht mit meiner Atmung, ich wollte sobald als möglich ein Krankenhaus aufsuchen. Irgendwann stand ich jedoch oben auf dem Berg und wurde durch eine atemberaubende Aussicht belohnt! Die Abfahrt dehnte sich dann über viele Kilometer aus, so dass ich mich an den Bremsklötzen meines Vorderrades verbrannte!

Auf dem Weg nach Kangar überholte mich ein Mann auf einem Motorrad und rief "welcome to Malaysia"! Abgesehen davon hielten sich die Menschen von mir fern. Es war ein komisches Gefühl nach dem herzlich warmen Thailand. Die Häuser am Wegrand waren viel pompöser als in Thailand, verfügten über kleine Gärten und Zäune. Zuerst wollte ich bis Kangar Perlis ans Meer fahren. Ich musste dann jedoch auf halbem Weg umdrehen, da ich mit meiner Atemnot zu kämpfen hatte. So suchte ich mir nach 69km in Kangar ein Hotel der sehr schmuddeligen Art.

Am folgenden Tag legte ich eine Pause ein und suchte das lokale Krankenhaus auf. Die junge Ärztin empfing mich in einem improvisierten Sprechzimmer im Notfall, machte gewissenhaft ein Röntgenbild, bevor sie mir Antibiotika verschrieb für die nächsten fünf Tage. Dass Englisch in Malaysia die zweite Landessprache ist, erleichterte doch einiges. Ich fragte, ob ich vom Röntgenbild ein Foto machen könne, als der Arzt von nebenan mir zurief: " Oh, I can take a Selfie with the X-ray and you!". Der gesamte Spass (Untersuchung, Röntgen und Medizin) kostete mich nicht mal 25 Franken! Am selben Abend, auf dem Weg zum Restaurant fragte ein Mann auf einem Fahrrad: "hey can I follow you?". Ich war etwas erstaunt, verneinte und eilte davon.

Meine Route folgte der Hauptstrasse in den Süden. Die Landschaft war langweilig und die Strasse recht befahren. Ich wollte ursprünglich in einer Hafenstadt am Meer übernachten, aber der Ort war so hässlich, dass ich ein paar Kilometer mehr auf mich nahm und 60 km bis Alor Setar radelte. Rudi und ich trafen uns dort in einem Kaffee, entschlossen uns nach einem langen Gespräch, die Tour zusammen fortzusetzen. Alor Setar war dann auch der erste Ort in Malaysia, welcher mir einigermassen gefiel. Ansonsten konnte ich mich noch nicht anfreunden mit dem Land.

Wir setzten unsere Reise fort, entlang des Meeres in Richtung Süden. Google Maps schlug uns eine schmale Strasse direkt am Meer vor, welche wir dann auch anpeilten. Die Aussicht auf das hellblaue Wasser machte dann auch wett für den holprigen Feldweg. An einer Kreuzung liessen wir eine Kuh darüber entscheiden, welchen Weg wir nehmen sollten. Sie schaute entscheiden mehr zur linken Strasse, so dass wir diesem Rat folgten. Nach 77km erreichten wir Sungai Petani, wo uns eine hilfsbereite Einwohnerin auf einem Motorrad voraus fuhr und uns die Hotels im Zentrum zeigte.


Eine Woche Pause auf der Touristeninsel Penang

Wir entschieden uns, ein paar Tage kreative Pause einzulegen in George Town, Penang. Der Weg führte über eine befahrene Hauptstrasse. Kurz bevor wir die Fähre nahmen, um auf die Insel überzusetzen, begaben wir uns in ein Kaffee in Butterworth. Wir liessen uns gerade das gute Essen schmecken, als ein Geschäftsmann an unseren Tisch trat und seine Hochachtung vor unserer Leistung ausdrückte. Wir sprachen nur wenige Worte mit ihm. Wenig später, als er das Lokal verliess, rief er uns zu, dass er unsere gesamte Rechnung bezahlt hatte! Unglaublich, was man on the road alles erlebt! Die Strecke betrug 33km bis zur Fähre in Butterworth.

In George Town angekommen, machten wir auf der Suche nach einem Hotel vor einem Geschäft halt. Plötzlich sah ich Kathrin, die Radfahrerin aus der Schweiz. Die Freude über das Wiedersehen war gross. Wenig später gesellte sich ihr Freund Christian dazu, sowie die Radlerin aus Schweden und ein junger Franzose, welcher auf einem Bambusrad bis nach Malaysia geradelt war. Es war ein witziges, spontanes Radfahrertreffen mitten auf offener Strasse! Durch die Schweizer fanden wir auch eine angenehme kleine Pension, die Hutton Lodge, wo wir die gesamte Zeit über blieben. Während der Tage in George Town, besuchte ich einige der zahlreichen Museen und genoss das vielseitige vegetarische Essen. Einen Abend verbrachten wir mit einem japanischen Künstler, welcher uns spontan auf offener Strasse zum Whiskytrinken einlud, wobei Musik von Bach aus seinem Haus auf die Strasse schallte! Er sagte, er habe uns eingeladen, weil wir gelächelt hätten.

Nach einer Woche war ich froh, dass wir uns wieder in den Sattel schwingen konnten. Wir umrundeten die Insel Penang mit den Rädern, wobei wir die Aussicht auf das Meer sehr genossen und bei einem Rast sogar einen jungen Malay mit einer Schlange um seine Hand gewickelt antrafen! Die Strasse stieg nach einem Stausee an und wand sich durch grüne Hügel. Die Landschaft erinnerte mich sehr an Schweizer Pässe und ich genoss den Tag enorm! Leider fanden wir auf der anderen Seite der Insel keine Bleibe (alles war eine Mischung aus sehr schäbig und sehr teuer), so dass wir bis spät in die Nacht hinein radelten. Der Wegweiser zu einem "White Resort" führte uns schliesslich durch einen Wald an ein verschlossenes Tor. Der Wächter machte uns klar, dass es sich beim White Resort um eine Schule handelte! Wir lachten, obschon uns nicht so ganz zum Lachen zumute war und fuhren dann noch einige Kilometer weiter bis nach Bayan Lepas, wo wir nach 86km auf dem Rad nach 22 Uhr eintrafen.

Eigentlich wollten wir anschliessend die Insel möglichst schnell verlassen. Leider hatte ich erneut Probleme mit meiner Atmung, so dass ich nochmals in einem Krankenhaus einen Halt einlegen musste. Der zuständige Arzt lobte sein Land in den höchsten Tönen und meinte, dass hier die freundlichsten Menschen friedlich zusammen lebten. Er verschrieb mir erneut eine ganze Ansammlung von Medikamenten und wir fuhren die 20km zurück nach George Town, wo wir erneut in der Hutton Lodge eincheckten für eine Nacht.

Im Eilzugtempo dem Meer entlang in Richtung Süden

Nach der Insel Penang hatten wir es ziemlich eilig, in den Süden zu kommen. Zuerst mussten wir über 40km einer stinkigen Autobahn folgen und da wir beide krank waren, war dies alles andere als angenehm. So bald als möglich verliessen wir diese Strasse und fuhren in Richtung Meer. Als wir nach 51km in einem Dorf namens Ngai Chenaam ankamen, sahen wir ein Schild für ein Homestay und folgten ihm. Wir fanden das Homestay nicht, aber eine grosse, malaysische Familie, welche uns sogleich ein Zimmer frei räumte! Sie gaben uns Tee und Reis mit Satay Sauce. Da wir nicht verheiratet waren, machten sie uns ein Zimmer mit zwei grossen Betten bereit! Anschliessend fuhren die Jungs mit dem BMX voraus, zeigten uns die Fischerboote und den Mangrovenwald. Bei der Rückkehr hatten die Frauen bereits ein reichhaltiges Nachtessen für uns zubereitet, welches wir, mit den Männern der Familie auf dem Boden sitzend, zu uns nahmen.

Nach einer stürmischen Nacht mit Gewitter und starkem Regen, überraschte uns die Familie am Morgen mit einem gedeckten Tisch! Dankbar und etwas überwältigt von so viel Gastfreundschaft machten wir uns anschliessend auf den Weg. Das erste Stück der Etappe führte über kleine Strassen entlang von Reisfeldern und kleinen Dörfern. Dies änderte sich abrupt, als wir einen Fluss überquerten. Von da an fuhren wir kilometerweit durch Palmölplantagen! Es gab ausser den Plantagen rein gar nichts! Wir waren froh, dass wir wenigstens genug Wasser bei uns hatten. Nach 71km fanden wir in Taiping auf Anhieb ein kleines Hotel dessen Besitzer uns zuerst alle Zimmer zeigen wollte, bevor er die Information über den Preis heraus rücken wollte. Rudi fragte immer wieder vergebens nach, musste bis nach der ausgedehnten Führung warten, bis er eine Antwort kriegte. Den Abend vertrachten wir mit Waschen. Die Tatsache, dass man in Malaysia überall Waschautomaten findet, welche gleich auch noch einen Trockner zur Verfügung stellen, machte unser Leben on the road etwas einfacher, da man doch alle paar Tage an olfaktorische Grenzen stösst, wenn man die Tasche mit der schmutzigen Wäsche auspackt. Als ich in dieser Nacht alleine spazieren ging in Taiping, wurde ich von einem Typen auf einem Motorrad verfolgt. Er fragte immer wieder, wohin ich gehe und machte anzügliche Geräusche. Gleiches war mir schon in George Town auf dem Heimweg vom Salsa passiert. Ich hatte keine Angst, wunderte mich nur, dass ich in keinem anderen Land, nicht einmal in Indien, nachts belästigt wurde, dies in Malaysia aber nun schon das zweite Mal war!

Am folgenden Tag fuhren wir 52km bis Pantei Remis. Die Strecke bot nicht viel, ausser dass sich nun vermehrt Affen beobachten liessen auf den Palmen oder sogar auf der Strasse. Wir assen in einem kleinen Restaurant, in welchem der Besitzer seine Vögel in offenen Körben hielt, die armen Tiere aber am Fuss mit einer Schnur, welche er durch ein Loch zog angebunden hielt! Pantei Remis selbst war, gelinde gesagt, einfach nur hässlich! Auch der Versuch, westlich zu essen, scheiterte kläglich an einer Dosensauce, welche über halb gekochte Spaghetti gestürzt wurde.

Nachdem wir im Internet auf ein Swiss Garden Resort gestossen waren, radelten wir nur 27km zu diesem kleinen Juwel mitten im Dschungel, in der Nähe von Lamut. Der Zimmerpreis war für unsere Verhältnisse sehr kostspielig, aber die Anlage inklusive traumhaftem Pool überzeugte uns, so dass wir blieben. Wir verbrachten einen tollen Tag im Resort, fütterten einen ausgehungerten Hotelhund, welcher mein mitgebrachtes Katzenfutter in Millisekunden verschlang und verbrachten Teile des Abends tanzend in unserem Zimmer. Diese Erholung tat einfach nur gut und beschwichtigte meinen Malaysiakoller ein wenig! Ursprünglich wollten wir, nachdem wir nur 32km gefahren waren, in Lamut einige Tage pausieren, da wir seit Penang durchgefahren waren. Jedoch war auch Lamut keine wirkliche Schönheit und lud absolut nicht zum Verweilen ein.

Ausnahmsweise waren wir früh auf den Rädern an diesem Morgen! Wir fuhren sehr schnell und versuchten die Palmölplantagen auszublenden, welche erneut kilometerlang den Weg säumten. Nach 95km hielten wir in Sabak Bernam, wo wir zuerst ein Resort aufsuchen wollten, in welchem nur Muslime absteigen durften. Im uralten Hay Resort fanden wir  ein sehr heruntergekommenes Zimmer, in welchem die Bettwäsche gewechselt werden musste, da sie vor Haaren von den Vorgängern strotzte.

Die letzte Strecke, alles der Hauptstrasse folgend, rasten wir förmlich mit Musik in den Ohren. Highlight des Tages war, das wir in einem winzigen Shop unser geliebtes Thai Soda fanden. Unterwegs wurden wir von Roger, einem Videographer, angehalten. Er lud uns zu einem Drink ein. Währenddessen unterhielt er uns eine lange Zeit, machte fleissig Videos mit dem Telefon und der "professionellen" Kamera, plauderte fortwährend. Es war total bizarr, lustig und einfach nur schräg! Anschliessend fuhren wir total schnell, es gab nix zu sehen, shut down und einfach nur fahren! Beim nächsten Halt war eine Familie gerade beim Essen. Ein Typ stieg ungefragt auf mein Rad und liess sich fotografieren. Danach mussten wir natürlich Fotos machen mit der gesamten Sippe. Die restlichen Kilometer fuhren wir so schnell es ging, erreichten einen Vorort von Klang nach einem kurzen Regenschauer in der Dunkelheit. Wir waren müde, nachem wir einen Rekord von 112km im Sattel bis nach Klang verbracht hatten.

Bevor wir von Klang aus die Fähre nach Sumatra, Indonesien nahmen, machten wir ein paar Tage Halt, um die Räder reparieren zu lassen und an der Homepage zu arbeiten.