Von Mainz nach Kopenhagen

Radtour 2012 (ca. 1500 km)

Am Rhein
Am Rhein

Nachdem ich meinen Job in Thailand aufgegeben hatte, flog ich nach drei Jahren in Bangkok wohnend im Juli 2012 wieder nach Europa zurück. Doch lange war ich nicht sesshaft, da ich kaum eine Woche nach meiner Ankunft schon wieder mit dem Rad in Richtung Norden fuhr.

Mein Mitradler Thomas war bereits in Freiburg zur Tour gestartet und ich stiess kurz nach Mainz dazu. Gemeinsam radelten wir dem Rhein entlang und bestaunten die wunderbaren Schlösser in der Nähe der Loreley. Da es die ersten Wochen beinahe nur regnete, mussten wir an Stelle vom geplanten Zelten in Jugendherbergen und B&B unterkommen.

Dem Rhein folgend liessen wir bald Koblenz und Bonn hinter uns. In Köln gönnten wir uns eine Stadtbesichtigung bei strömendem Regen und in bitterer Kälte. Weiter ging es dann nach Düsseldorf, wo wir bei einer Bekannten Unterschlupf fanden und auch am Abend das Stadtleben genossen.

In Wesel nahmen wir Abschied vom Rhein und fuhren in Richtung Norden nach Haltern am See. Von dort ging es weiter nach Münster. Von dieser Stadt waren wir sehr beeindruckt. Einerseits wegen des gemütlichen Ambientes und andererseits, weil es nur so von Radfahrern wimmelte. Wir gönnten uns in der Jugendherberge ein Luxusdoppelzimmer und hofften, dass der Regen endlich stoppen würde.

Weiter ging die Fahrt nach Osnabrück, der „Friedensstadt“. Das Städtchen verzauberte uns sogleich mit seinem mittelalterlichen Charme und den vielen Steinhäusern. An jenem Abend logierten wir in einem etwas seltsamen Backpacker Hostel.

Die folgenden Tage fuhren wir weiter bis nach Bremen, wo wir das einzige Mal auf der ganzen Tour als Couchsurfers bei einer überaus gastfreundlichen Designerin nächtigten. Bremen selbst gefiel uns ebenfalls sehr gut, obschon wir erneut in kaltnassem Wetter durch die Gassen ziehen mussten.

Die zweitletzte Etappe in Deutschland führte uns nach Buxtehude, wo Thomas einen Bekannten hatte, welcher als Chefarzt in dem dortigen Krankenhaus arbeitete. Wir holten ihn kurzentschlossen (wieder einmal im strömenden Regen) an seinem Arbeitsort ab. Er teilte der Sekretärin mit, dass er jetzt Besuch habe und nach Hause gehe. So machten wir gemeinsam am Nachmittag Hamburg unsicher. Es gefiel uns so gut, dass wir beschlossen, einen Ruhetag einzulegen, um einen weiteren Tag in der Hansestadt verbringen zu können.

Für die letzte Strecke bis ganz in den Norden auf die Halbinsel Fehmarn begleitete uns ausnahmsweise einmal Sonnenschein! Es war ein tolles Gefühl, mit dem Rad von zu hause aus bis ans Meer geradelt zu sein. Wir ruhten uns in der Nähe des Timmendorfer Strandes ein wenig aus und genossen dann die wunderschöne Landschaft bis zum Hafen in Fehmarn.

Dort angekommen warteten wir auf die nächste Fähre nach Dänemark. Wir genossen die knapp zwei Stunden Überfahrt sehr und sonnten uns auf dem Deck. In Dänemark angekommen fiel uns sofort auf, dass das Land sehr viel dünner besiedelt war und die meisten Dörfer äusserst verschlafen waren. Wir zelteten das erste Mal auf der gesamten Tour in Rodby gleich nach der Grenze.

Danach ging es am nächsten Tag weiter nach Nykobing. Die Landschaft war wunderschön, das Wetter gut und unsere Laune ebenso. So sehr wir die Einsamkeit der Kornfelder und die ausgestorbenen Strassen genossen, wurde uns auch bald bewusst, dass es in Dänemark sehr wichtig war, genug Essensvorrat und Getränke auf dem Rad mitzunehmen, da wir nur selten an eine Einkaufsmöglichkeit gelangten.

In Stubbekobing zelteten wir erneut auf einem sehr idyllisch gelegenen Zeltplatz direkt am Meer. Von dort aus ging es mit einer kleinen Fähre auf die Insel Mon, auf welcher wir beinahe das erste Mal auf der gesamten Tour über einige Hügel fuhren. Dies war dann doch ungewohnt anstrengend mit dem ganzen Gepäck. Dafür wurden wir durch atemberaubende Klippen belohnt, welche wir in der Nähe von Bore besichtigten. Die riesigen Kalkfelsen ragten direkt ins Meer und luden zum Spazieren am Strand ein.

Am folgenden Tag fuhren wir die selbe Strecke zurück und überquerten anschliessend den Damm bei Kalvehave, um auf die Hauptinsel zu gelangen.

Wir radelten nach Koge und anschliessend nach Roskilde. Die dortigen Preise in der fünf Sterne Jugendherberge schockierten uns ein wenig, so dass wir nochmals zelteten. Leider vergassen wir, Abendessen einzukaufen. Die Lösung für das Problem war, dass wir alte Kornriegel essen mussten, welche uns seit einer Weile auf der Reise begleitet hatten. Anschliessend gingen wir früh zu Bett, um den Hunger nicht mehr zu spüren.

Die nächsten beiden Tage fuhr ich alleine in den Norden der Insel und dort dem Meer entlang. Die Landschaft war atemberaubend schön. Der leider nur dürftig beschilderte Radweg war nur sehr schwierig zu finden. So fuhr ich aufs Gratwohl durch den Wald, um wenig später einer wunderbaren Dünenlandschaft entlang des Meeres zu folgen. Zum Teil musste ich mein schweres Rad dann jedoch auch durch Sand stossen, was einiges an Muskelkraft erforderte.

Im strömenden Regen fuhr ich die letzte Etappe vom Norden der Insel quer durch das Landesinnere nach Kopenhagen. Den ersten Teil konnte ich auf dem Radweg fahren, welcher durch Wälder und über Felder führte, nachdem ich dann jedoch eine Reifenpanne hatte, enschloss ich mich, der Autostrasse entlang in die Hauptstadt zu fahren.

Dort erwartete Thomas mich bereits mit einen vorreservierten Bett im 20-Mann Massenschlag ohne Fenster.