Hoi An bis Dong Hoi

HOI AN

Hoi An ist ein wunderschoenes Staedtchen am Thu Bon Fluss. Schon frueh war Hoi An eine wichtige Handelsstadt, besetzt von auslaendischen Kaufleuten. Heute kann man immer noch deutlich den chinesichen Einfluss ausmachen an den niederen Haeusern und schmalen Gassen. Der Ort ist ein kleines Paradies in Vietnam. Leider auch enorm touristisch, trotzdem aber ist der Charme der Stadt erhalten geblieben.

Den freien Tag in Hoi An genoss ich mit richtigem Kaffee zum Fruehstueck, durch die schmalen Gassen spazieren, fotografieren und zeichnen. Am Nachmittag fuhren wir mit den Radern zur Beach. Es war der schoenste Strand, welchen ich in Vietnam bis jetzt gesehen hatte. Weisser Sand, Palmen und Wellen. Leider war es schon etwas spaet, als wir ankamen, so dass wir nicht mehr so lang geniessen konnten.

Fuer den naechsten Tag buchten wir eine Tour zu den My Son Ruinen, welche mit Angkor Wat vergleichbar sein sollten. Ich stand frueh auf, um Fruehstueck zu suchen, bevor sie uns abholten fuer die Tour. An der Rezeption sagte mir die Dame, dass mein "friend" in der Nacht angekommen und jetzt schon wach sei. So eilte ich ins Zimmer 206 und Fabian oeffnete die Tuer!!! So schoen, ihn wieder zu sehen. Wir plauderten ein wenig, er begleitete mich auf die Tour zu den My Son Ruinen, da Ram arbeiten musste.

Die Tour war ok, die Tempelruinen gaben leider nicht so viel her wie vom Touristenbuero angepriesen. Es waren nur wenige Tempel erhalten geblieben, von den urspruenglich 71 Tempeln, welche sehr an Angkor erinnert haben sollen. Die Amerikaner hatten im Krieg die Tempelanlage weitgehend zerstoert. Die imposanten Ausmasse der Einschussloecher, welche die Bomben hinterliessen, konnte man immer noch sehen.

Der Guide erklaerte uns auf witzige Weise die Geschichte der Tempel und wies uns speziell auf die Bauweise hin. So wurde beim Bau weder Wasser noch Moertel benutzt, um die zum Teil ueber 20m hohen Tempel zu bauen. Eindruecklich war ersichtlich, dass die vor ein paar Jahren restaurierten Mauern schon wieder auseinander fielen, die alten, mit der heute unbekannten Bauweise, jedoch standhaft aller Witterung trotzten.

Es war ein interessanter Ausflug, aber bei 40 Grad war es einfach zu heiss, um irgendwo laengere Zeit ruhig zu stehen!

Ein letzter Halt in einem Restaurant, wo Fabian sich ein Eis goennen wollte. Leider entschied er sich ohne es zu wissen fuer ein Durianeis (Stinkfrucht). Schon als er die Packung oeffnete stank es gewaltig! Er ass den stinkenden Nachtisch dann aber tapfer und meinte, dies sei sein erstes- und letztes Duraineis gewesen!

Zurueck in Hoi An gingen wir zum wiederholten Male im indischen Restaurant essen. Wir plauderten ein wenig mit dem Kellner, welcher sagte, dass er drei Jobs habe, um ueber die Runden zu kommen. Er wuerde gerne reisen, aber die Vietnamesen sein viel zu aengstlich, um mit dem Rad zu reisen.

DA NANG


Am folgenden Tag gingen wir mit Fabian fruehstuecken und packten anschliessend unsere Sachen im Hotel. Fabian ging noch ein wenig an den Strand und nahm anschliessend ein Motorradtaxi nach Da Nang, um dort sein Rad vom Bahnhof abzuholen.

Danach ging es in der Hitze des spaeteren Morgens dem Meer entlang. Vom Meer sahen wir nicht viel, es war einfach nur staubig und heiss. Wir tranken einen improvisierten Fruchtshake unterwegs. Bald schon saeumten exklusive Golfresorts und andere Luxustempel die Strasse. Wir naeherten uns nach nur 25km der Stadt Da Nang. Dort angekommen, begaben wir uns sofort auf Hotelsuche. Schwierige Sache. Wir suchten fuer zwei Stunden, aber sogar die schaebigsten Absteigen waren viel zu teuer! Irgendwann wurden wir dann doch fuendig in einem schicken kleinen Hotel in der Naehe des Strandes. Wir duschten nicht einmal, sondern fuhren direkt ans Meer. Millionen von Vietnamesen badeten schon. Die ganze Stadt schien im Wasser zu plantschen. Obwohl Fabian viel spaeter ankam, fand er uns am Strand!

Wir legten einen Ruhetag ein, da wir dachten, dass es in der Business Metropole viel zu sehen gab. Es stellte sich jedoch heraus, dass sich die Sehenswuerdigkeiten in Grenzen hielten. So schauten wir uns am Morgen das Skulpturenmuseum des Cham Volkes an. Dies war sehr interressant und ich nutzte die Gelegenheit, um ein wenig zu zeichnen.

Wir verabredeten uns in einem kleinen Kaffee. Fabian und ich plauderten ein wenig, waehrend wir auf Ram warteten. Fabian fragte mich, ob ich mich freuen wuerde, wenn ich den Job, welcher mir angeboten wurde, bekommen wuerde. Ich sagte, dass ich mir nicht so sicher sei, da dies auch bedeuten wuerde, dass meine Reise ein fixes Enddatum haben wird. Am spaeteren Nachmittag erfuhr ich, dass ich die Stelle bekommen hatte! Die Freude, sowie der Respekt vor der Herausforderung waren gross. Wir feierten das Ganze bei einem Fruchtshake in der Stadt.

Ueber den Wolkenpass

Am naechsten Morgen bahnten wir uns den Weg durch Da Nang hindurch in Richtung Wolkenpass. Vor der langen Steigung wollte ich mir noch ein Wasser kaufen, Fabian und Ram warteten etwas weiter vorne auf mich. Als ich mich gerade aufs Rad setzen wollte, sah ich, dass mich eine Bahnschranke von den beiden trennte. So hatte ich keine andere Wahl, als zu warten, bis der Zug vorbei gefahren war.

Anschliessend ging es an den Wolkenpass, oder vietnamesisch: Hai Van. Diese alte 20km lange Passstraße liegt 50km nördlich von Hoi An und verbindet Da Nang mit Hué. Hier befindet sich auch die Wetterscheide zwischen Nord- und Südvietnam und die natürliche Grenze, die im Indochinakrieg (1946-1954, Krieg um die Dekolonialisierung und die Unabhängigkeit in Frz.-Indochina zwischen Frankreich und Viet Minh) stark umkämpft war. Wegen des hohen Verkehrsaufkommens auf dieser Nord-Süd-Achse, der Nationalstraße 1, wurde 2005 ein Tunnel gegraben, für die Entlastung auf der Passstraße . Wir sorgten natürlich nicht für Entlastung und begaben uns an den Berg!

Der Anstieg begann dann ziemlich sanft. Die Aussicht auf Da Nang und die Bucht der Lagune war einfach atemberaubend! Man vergass beinahe ein wenig, dass die Beine schmerzten von der Anstrengung. Wir fuhren fast die gesamten 500 Meter Steigung. Ram kam erstaunlich schnell voran. Ich empfand diesen Pass als weniger schlimm, als der Aufstieg nach Bao Loc. Fast schon gemuetlich, aber die Hitze war der Killer. Unter jedem noch so kleinsten Baum suchten wir Schatten und machten Rast.

Oben angekommen, goennten wir uns erfrischende Drinks, schauten uns die amerikanischen Bunker aus der Ferne an, machten Fotos und genossen die kuehlere Luft. Fabi wollte den Ort gar nicht mehr verlassen, die Hoehenmeter nicht einfach so wieder verlieren, zu sehr genossen wir die Aussicht vom Gipfel des Wolkenpasses. Die Wolken krochen dann jedoch erst spaeter den Berg hoch und machten seinem Namen alle Ehre.

Irgendwann entschieden wir uns doch dazu, die Abfahrt unter die Raeder zu nehmen. Fabi fragte sarkastisch, ob ich meine Bremse wieder eingehaengt haette. Er habe sie beim Kettenwechsel ausgehaengt und gadacht, bergaufwaerts brauche ich sie nicht und sie seien deshalb nicht wieder eingehaengt.

Auf halber Strecke trafen wir einen Radler. Wieder einen Chinesen (dieses Mal mit guten Englischkenntnissen), welcher von der Grenze Chinas nach Bangkok radeln wollte. Er sei in sieben Tagen von Hanoi nach Hue geradelt und in drei Tagen von der Grenze Chinas nach Hanoi. Scheint enorm schnell unterwegs zu sein, der Bursche. Er habe bis anhin noch keine anderen Radler getroffen, meinte er.

Nach der ebenso atemberaubenden Abfahrt ins Tal, fuhren wir noch ziemlich viel weiter. Es ging nochmals ueber ein paar Huegel, welche wir im Google-Profil nicht gesehen hatten!!! Wir waren deshalb sehr erstaunt, dass wir uns nochmals quaelen mussten! Die Ortschaft, welche wir fuer die Uebernachtung anpeilten, stellte sich als langes Dorf ohne Hotel heraus.

Fabian hatte nicht mal gemerkt, dass wir den Ort schon passiert hatten! Es blieb uns nichts anderes uebrig, als dem Meer entlang weiter zu fahren. Wir fanden dann auch irgendwo im Nichts ein Hotel. Die Zimmer waren einfach, aber wir waren froh, nach 77km und so einigen Hoehenmetern doch noch eine Bleibe gefunden zu haben.

HUE

Am naechsten Tag ging es frueh los in Richtung Hue. Wir kamen schon am Mittag in dem schoenen Staedtchen an. Nachdem wir ein Hotel gefunden hatten, machten wir uns auf, um die alte Koenigsstadt zu besuchen. Um mehr geschichtliche Hintergruende zu erfahren, leisteten wir uns einen Fuehrer, was sich als sehr gute Entscheidung erwies. Die Dame berichtete viel ueber die Koenigsfamilien und das Leben in der Stadt. Sie erklaerte uns, wo der Koenig gewohnt hatte, wo die Gemaecher seiner Frau waren und wo die etwa 400 Geliebten des Koenigs wohnten. Die meisten Gebaeude der Stadt, deren Aussenmauer 10km umfasste, wurden in den Kriegen zerstoert. Heute sind oft nur noch die Grundmauern uebrig geblieben. Die Regierung Vietnams ist jedoch darauf bedacht, die Ruinen wieder zu restaurieren.

Sie erklaerte uns auch, dass bis zum 16 Jahrhundert chinesisch geschrieben wurde in Vietnam und erst durch einige Missionare die lateinischen Buchstaben eingefuehrt wurden. Deshalb findet man in der Tempelanlage die Inschriften in chinesischen Schriftzeichen geschrieben.

Wir schauten uns den Tempel und die violette Stadt an. Tempel, sowie Eingaenge zur Stadt, ja auch die Haeuser waren nach Geschlechter getrennt. Dies blieb ueber lange Zeit hinweg so, bis die Franzosen nach Vietnam kamen und somit auch neue Sitten einfuehrten.

Wir verbrachten einige Stunden in der wunderschoenen alten Stadt, welche mich sehr an die verbotene Stadt in Peking erinnerte.

Ian, DER Radler

Anschliessend wollten wir essen gehen. Wir standen vor einem italienischen Restaurant und schauten uns die Karte an. Ram erklaerte der Bedienung, wie wir in Vietnam reisen. Ich merkte, dass ein Gast mein Rad sehr aufmerksam musterte. Er hoerte Ram zu und sprach ihn dann auch an. Es handelte sich bei dem Herrn um Ian, 51 aus England. Er war auch ein Radler. Zu unserem totalen Erstaunen erzaehlte er uns, dass er schon 18 (!!!!) Jahre mit dem Rad unterwegs sei! Total 210 000km war er bis anhin gefahren. Das war doch einfach unglaublich! Wir setzten uns zu ihm und plauderten angeregt mit ihm. Er hatte weder ein Buch, noch einen Blog geschrieben, wurde noch nie interviewt, faehrt einfach Rad. Sein erstes Rad hielt 11 Jahre lang, dann wechselte er zum aktuellen Rad. Er wolle nun noch nach Bangkok fahren, dann sei Schluss mit dem Radeln. Zumindest fuer eine Weile. Als er uns verliess, sassen wir noch eine ganze Weile einfach sprachlos am Tisch.

Wir fragten ihn auch, ob er nie genug habe vom Radfahren. Er meinte dann, dass er das Leben liebe und immer wieder ueber diese Tiefs hinweg komme. Die Reisen finanzierte er uebrigens mit einer Erbschaft seiner Grossmutter.

Ruhetag in Hue

Wir buchten erneut eine Tour. Dieses Mal ging es zu den Graebern der Koenige und zu einem Tempel. Schon beim Buchen hatte ich das Gefuehl, dass ich nicht gehen sollte. Mein Gefuehl stellte sich bald als richtig heraus. Auf dem Boot mussten wir unendlich lange warten, bis die Frau des Fahrers zurueck aufs Boot kam. Dann ging es im Schneckentempo den Fluss hinunter. Die angeblich in der Tour enthaltenen Attraktionen kosteten ploetzlich extra und auch das Essen, welches wir gebucht hatten, sollte nicht reichen, so dass wir mehr bezahlen sollten fuer eine extra Portion. So ging es den ganzen Tag weiter. Der Fuehrer schien seine Arbeit eher als Vergnuegen zu sehen, sagte immer kurz etwas, was wir auch im Lonley Planet nachlesen konnten und verschwand dann in ein Restaurant. Es war wirklich schlimm, wie man sich hier ausgenutzt vorkam. Es ging nur darum, gutes Geld zu machen mit allem, aber von Qualitaet der Tour keine Spur. Es war fuer mich schon die zweite unbefriedigende Tour in Vietnam. Ich beschloss, in Zukunft nur noch mit privatem Guide eine Tour zu machen, auch wenn dies kostspieliger sein wuerde. Die geschonten Nerven sollten es wert sein.

Dong Ha und Dong Hoi

Fabian und ich fuhren den ganzen Tag durch langweilige Landschaft, Ram blieb nach dem Fruehstueck weit hinter uns zurueck und fuhr diesen Tag ueber in seinem Tempo. Die Strasse war auf meiner Karte unter „street without joy“ vermerkt und machte ihrem Namen alle Ehe. Das Mittagessen bestand aus einer enttaeuschenden Kombination aus breiten, weissen Nudeln und Salatblaettern. So fuhren wir mit halb leerem Magen weiter. Die Strecke wurde weder schoener, noch interessanter. Wir erreichten das Tagesziel schon um zwei Uhr, waren 74km gefahren! Es fuehlte sich an, als waeren wir maximal 50km gefahren! Ich haette noch locker weiter fahren koennen, aber da wir keinen groesseren Ort mehr in erreichbarer Entfernung ausmachen konnten, gingen wir auf Nummer sicher und blieben in Dong Ha.

Als wir in einem Cafe etwas tranken, gesellte sich ein Junge, welcher die 8.Klasse besuchte, zu uns und plauderte einfach so mit uns. Sein Englisch war unglaublich gut.Er sprach er sehr intelligent und weise fuer sein Alter. Es war echt unterhaltsam! Anscheinend brachte er sich die Sprache selbst bei, indem er sich CNN Kurzfilme anschaute.

Am folgenden Tag fuhren Fabian und ich frueh los, Ram war schon frueh aufgestanden und nahm den Bus an die Grenze, da er sein Visum erneut verlaengern musste. Dazu ueberquerte er kurz die Grenze nach Laos und kam gleich wieder zurueck nach Vietnam.

Fabian und ich fuhren 94km in einem Schnurz durch! Um drei waren wir schon in Dong Hoi! Unterwegs assen wir gute Nudelsuppe mit Reiscrackers. Ein echter Genuss nach dem letzten Mittagessen. Die Landschaft wurde auch wieder schoener. Die Strasse fuehrte entlang von Seen, Fluessen und in der Ferne waren sogar Duenen auszumachen.

Ram startete erst um die Mittagszeit herum und fuhr die 94km an einem Nachmittag durch! Unglaublich! Er erreichte Dong Hoi kurz nach dem Eindunkeln und gesellte sich muede, aber in guter Laune zu uns.

An diesem Nachmittag hatte ich die 3000km Marke ueberschritten...und es warten noch so einige Kilometer auf mich Wink.