Ha Tien bis Ho Chi Minh (Saigon)

Good afternoon VIETNAM

Die Vietnamesische Grenze wirkte kalt und pompoes. Von weitem sahen wir die rote Flagge im Wind wehen. Der Zoellner winkte uns gleich raus und schickte uns zum Gesundheitscheck. Wir mussten einen Zettel ausfuellen und ich witzelte mit dem zustaendigen Beamten vom Gesundheitsamt. Bis anhin mussten offenbar alle Reisenden fuer diesen Check einen Dollar „schmieren“, von uns wollte niemand Geld. Alles verlief reibungslos, der Zoellner fragte uns sogar, ob wir schon vietnamesische Dongs haetten. Wir verneinten und ER bot uns an, Geld zu welchseln...interessant....(ob die Zoellner am Schweizer Zoll diesen Service auch anbieten???)

Gleich nach der Grenze lief uns ein Mann nach, um uns ein Guesthouse zu empfehlen. Wir behielten die Karte und schaetzten es sehr, dass man sich so um uns kuemmerte.

Die Landschaft in Vietnam war sehr schoen. Huegel und gruene Felder, uns schallten weniger bis gar keine „hello“s mehr entgegen. Vom Zoll bis nach Ha Tien war es nicht mehr weit, Fabian und ich fuhren die Strecke ohne Halt, Ram hatten wir, seit er sich in Kep dazu entschloss eine Weile alleine zu fahren, nicht mehr gesehen. Gleich am Ortseingang suchten wir eine Bank auf, um Geld zu wechseln, nachdem wir das Angebot des Zoellners dankend ausgeschlagen hatten. Vor der Bank eilte wieder ein Mann zu uns und sagte, im Geschaeft seines Kollegen koennen wir viel guenstiger Geld wechseln. Gleich anschliessend kam erneut jemand und empfahl uns ein Guesthouse. Als er die Karte zeigte, stellte sich heraus, dass es sich genau um das selbe Guesthouse handelte, welches uns am Zoll empfohlen wurde...small world!

Nach einer Dusche im Luxusdachzimmer mit Balkon, fuhren wir ein wenig durch Ha Tien und sahen per Zufall (gibt es den ueberhaupt ?) Rams Rad vor einem Hostel stehen. Wir waren an vielen Restaurants vorbei gefahren, aber ausgerechnet vor jenem Imbiss stehen geblieben, so dass Fabi ploetzlich Rams Rad entdeckte...small world again!

Schliesslich verkoestigten wir uns in der Strassenkueche mit leckeren Nudeln und einem erfrischenden Mangoshake. Life is great!

Quer durch das Mekong Delta

Erster Tag in Vietnam. Nachdem wir frueh aufgestanden sind, suchten wir erstmal Fruehstueck, was kein so leichtes Unterfangen war. Alle schienen in diesem Land Nudelsuppe zu geniessen morgens um sieben! So kauften wir dann eben unser Fruehstueck auf der Strasse zusammen. Brot an einem Strassenstand, Joghurt in einem Geschaeft und Reis mit Kokosmilch bei einer alten Frau, welche auf dem Gehweg sass. Schlussendlich spiesen wir in einem Restaurant, wo wir etwas tranken und die Esswaren einfach selbst mitbrachten. Die kambodschanische Tradition lebte weiter.

Wir wurden schon vorgewarnt, dass man in Vietnam dauernd ums Geld gebracht werde. Ueberall wuerden Zusatzkosten entstehen und man muesse um jeden Dong feilschen. Die erste Kostprobe bekamen wir an diesem Morgen, als wir fuer das Wasser im Zimmer zusaetzlich bezahlen mussten! In Vietnam sprachen soweit weniger Menschen Englisch, aber verstanden unsere Zeichensprache irgendwie besser, als die Kambodschaner.

Nachdem wir unsere sieben Sachen auf die Raeder gepackt hatten, fuhren wir gemuetlich los. Die Landschaft war ziemlich abwechslungsreich und viel dichter besiedelt, als in Kambodscha. Kaum eine Strecke ohne Huette oder Haus. Auch war die Strasse nun kurvenreich und wir mussten sogar kleine Huegel ueberwinden. Eine nette Abwechslung nach 1000km Flachland. Die Strasse fuehrte uns einem Kanal entlang. Jedoch fiel mir auf, dass es nun viel hektischer zu und her ging auf der Strasse. Ueberall Menschen, ueberall Motorraeder oder Fahrraeder. Aeusserst positiv fand ich, dass in jedem Restaurant reihenweise Haengematten hingen. Super...man stelle sich dies jedoch mal in der Schweiz vor.

Unser Tagesziel Hon Dat war nicht speziell schoen und verfuegte nur ueber ein Hotel, in welchem noch die Haare des Vorgaengers auf dem Kissen klebten. Aber wir sind ja nicht heikel. Dafuer durften wir seit langem wiedermal Aircon geniessen.

Da in diesem Dorf der Strom jeweils am Nachmittag ausgeschaltet wurde, verzichteten wir vorerst auf die Dusche und gingen unsere Raeder waschen. Wir fanden einen Waschshop, in welchem der Besitzer zwei Minuten mit dem Hochdruckreiniger die Raeder abspritzte. Dann wurde es ihm zu anstrengend und er drueckte Fabian den Schlauch in die Hand. Dieser musste dann weiter putzen, der Preis reduzierte sich deswegen jedoch nicht...

Das Abendessen stellten wir uns gleich selbst zusammen, da niemand uns wirklich verstand. So zeigten wir der eifrigen Koechin, was wir gerne alles in der Nudelsuppe haben wollten und was lieber nicht. Das Ergebnis schmeckte vorzueglich.

Auf dem Rueckweg zum Hotel winkten uns viele Leute zu. Wir waren in dieser Region eine Attraktion, da man wohl kaum Auslaender sah in diesen Doerfern.

Am Abend meinte eine Freundin aus der Schweiz, dass in Ha Tien laut Tripadviser selten Auslaender anzutreffen seien. Sie fuegte dann ironisch hinzu: „ Das ist ja kein Wunder! Wenn die Auslaender so braun sind wie du, dann denken alle, dass die Touristen Einheimische sind!“.

Am folgenden Morgen starrten uns einige Frauen auf dem Markt die ganze Zeit ueber an. Touristen hatten sie wohl noch nie in ihrem Leben gesehen. Eine der Frauen deutete dann auf unsere Zaehne, welche sie anscheinend sehr schoen fand. Beim naechsten Halt sprachen die Besitzer des Cafes offensichtlich ueber unsere Nasen, da diese im Gegensatz zu ihren Nasen eher lang waren. Obschon wir kein Wort verstanden, konnte man doch erahnen, worueber die Leute sprachen.

Wir waehlten die Nebenstrasse Nr.61 nach Vi Thanh, damit wir dem Verkehr und den vielen Haeusern ein wenig entfliehen konnten. Der Plan ging auf. Belohnt wurden wir mit einer schmalen Strasse, wenig Verkehr und wunderschoener Landschaft. Erneut furhen wir entlang eines Kanals, auf welchem schmale Boote mit uns um die Wette fuhren. Ueberall Palmen, Wiesen, kleine Huetten und viele verschiedene Arten von Schiffen. Das Mittagessen war einmal mehr eine Nudelsuppe, bei deren Verzehr wir von einer ganzen Schaar Kinder genau beobachtet wurden. Sie versuchten uns vergebens vietnamesische Worte beizubringen. Aber lustig war es trotzdem.

Wir fuhren gemuetlich bis nach Vi Thanh, wo die Strasse urploetzlich von einem Feldweg in eine vierspurige Allee wechselte. Wir radelten an vielen Guesthouses vorbei bis ins Zentrum. Da es erst zwei Uhr war, schauten wir uns einige Hotels an, aber bei keinem stimmte das Preis-Leistungs Verhaeltnis wirklich. Kurz bevor es wieder zu regnen begann, fanden wir schliesslich ein gutes Hotel, gingen jedoch noch zu einem anderen, kamen anschliessend zurueck. Kaum hatten wir die Raeder in die Empfangshalle gestellt, prasselte draussen der Regen in Stroemen vom Himmel.

Wiedersehen mit Ram und geimeinsame Weiterfahrt

Am Abend war es sehr schwierig, Essen zu finden. Wieder fanden beinahe keine Restaurants und wir wollten nicht schon wieder Reis und ungekochtes Gemuese essen. Klar, man hatte keine Wahl, aber trotzdem...so fanden wir schliesslich eine Pommesbude und spaeter einen Kebabstand, an welchem wir Kebab ohne Fleisch assen....egal, es tat einfach nur gut, wieder einmal was anderes als Nudelsuppe oder Reis zu essen.

Als wir zurueck im Hotel waren, schrieb ich oberhalb der Rezeption in der Lobby meine Emails. Ploetzlich hoerte ich unter mir eine vertraute Stimme....Ram fragte im selben Hotel nach einem Zimmer!!! Nach vier Tagen des Getrenntfahrens war dies eine Riesenueberraschung! Er war tropfnass und draussen war es schon dunkel! Er lachte uebers ganze Gesicht, als er mich sah. Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass in einem Ort mit etwa 100 Hotels oder Guesthouses jemand GENAU in der selben Unterkunft ein Zimmer findet??? Dies war fuer mich schon ein wenig mehr, als nur purer Zufall.

Am folgenden Tag fuhren wir erneut als Dreiergruppe los, nachdem wir vier Tage getrennt gefahren waren.

Der Vorteil vom dicht besiedelten Suedvietnam war, dass es unglaublich viele groessere und kleinere Strassen gab. So konnten wir eine kleine Nebenstrasse auswaehlen, auf welcher nicht einmal Autos fuhren. Der Weg fuehrte einem Fluss entland, durch Palmenwaelder, ueber schmale Bruecken und ueber kleine Kanaele. Leider fanden wir kein Restaurant, so dass der Magen leer blieb, was beim Radfahren oft fuer schlechte Laune sorgte. Nach einem kleinen Snack, welcher uns vor dem Hungerast bewahrte, fuhren wir langsamer weiter, bis die Strasse an einem Fluss endete. Wir mussten auf die kleine Holzfaehre warten, welche uns und einie Motorradfahrer auf die andere Seite brachte. Es waren nur noch wenige Kilometer bis in die Stadt Can Tho. Zum Glueck fanden wir gleich am Eingang der Stadt ein Restaurant. Ich glaube, ich hatte noch nie so schnell gegessen!

Gemeinsam gingen wir nach der Hotelsuche ein wenig durch die Stadt, welche der Ausgangspunkt fuer Mekongbootsfahrten war. Aus diesem Grund trafen wir auf viele Touristen. Schon seltsam, wieder unter Touristen zu sein. Die letzten Touristen hatten wir in Kambodscha gesehen!

Am ersten Ruhetag in Can Tho nahmen wir es gemuetlich. Erst am Nachmittag kurvten wir mit den Raedern durch enge Gassen, welche manchmal nicht mal einen Meter breit waren. Die Menschen hatten grosse Freude an uns, winkten und wollten mit uns plaudern. Es war toll! Auf dem Rueckweg nahmen wir die Faehre, um ueber den Mekong zu gelangen. Auch ein kleines Abenteuer fuer sich.

Als wir beinahe beim Hotel waren, trafen wir die Schweizer wieder, welche wir in Kampot kennen gelernt hatten. Erneut mussten wir feststellen, dass die Welt schon enorm klein ist. Die Freude war gross und wir sassen noch auf einen Fruchshake zusammen.

Wir entschieden uns, noch einen Ruhetag in Can Tho einzulegen, damit wir eine Bootsfahrt auf dem Mekong machen konnten. Nachdem uns eine aeltere Frau beinahe zwei Tage verfolgte, um uns eine Tour zu verkaufen und uns sogar vor dem Hotel abpasste, buchten wir unterwegs bei jemand anderem eine Tour. Der Fahrer holte uns um fuenf Uhr morgens im Hotel ab. Wir fuhren anschliessend sechs Stundne auf dem Fluss, besuchten zwei schwimmende Maerkte und eine Nudelfabrik. Die Maerkte waren ein wenig chaotisch; ueberall Boote in verschiedenen Groessen, die unterschiedlichsten Waren wurden feil geobten. Einige Besitzer kleiner Boote verkauften sogar Getraenke oder Fruehstueck. Diesem Treiben schauten wir eine Weile zu, bis wir dann in die kleinen Nebenfluesse des Mekongs einbogen und durch gruene Landschaften fuhren. Wie versprochen hielten wir in der Nudelfabrik. Es war sehr interessant zu sehen, wie die Reisnudeln hergestellt wurden. Auch wenn Huehner froehlich an den fertigen Nudelblaettern picken, werden wir wohl weiterhin unsere Nudelsuppen mit Reisnudeln bestellen.

Am Abend hatten wir mit ein Essen mit dem Schweizer Paerchen vereinbart. Das war sehr unterhaltsam und wir genossen es, einfach wieder einmal so zu plaudern, wie uns der Schnabel gewachsen war. Als wir zum Hotel zurueck kamen, leerte ich Ram einen Kuebel Wasser ueber den Kopf und sagte:“Happy Songkran“. Das thailaendische Neujahr wurde naemlich an diesem Wochenende gefeiert, dies bedeutet eine riesige Wasserschlacht im ganzen Land. Wir lieferten uns dann eine Miniversion davon im Hotelzimmer, was auch sehr lustig war.

Nach den Ruhetagen in Can Tho ging es auf der Hauptstrasse in Richtung Vinh Long weiter. Die Strasse war schoen breit, mit gutem Belag und dennoch nicht zu sehr befahren. Wir rasten beinahe ein wenig, keine Ahnung was in Ram gefahren war, welcher die gesamte Strecke vorausradelte. So waren wir schon sehr frueh in Vinh Long, genehmigten uns eine Nudelsuppe und nahmen dann die Faehre auf die Insel An Binh. Dort waren die Wege ziemlich schmal und fuehrten teilsweise kleinen Baechen entland. Wir irrten ein wenig auf der Insel herum, ohne einen konkreten Plan zu haben, liessen uns von Google Maps leiten. Der Weg fuehrte uns schliesslich zu einem Zoo/Vergnuegungspark. Wir blieben jedoch nicht lange, da dort Tiere in winzigen Kaefigen gehalten wurden, ohne eine kleine Ablenkung im Gehege zu haben. Die Affen waren sogar im Kaefig nochmals angebuden. Schrecklich! Tja, hier gingen die Menschen schon total anders um mit Tieren, als bei uns. Der WWF haette wohl alle Haende voll zu tun in Vietnam!

Nach der Irrfahrt fuhren wir auf einer schmalen Strasse die restlichen 20 km nach Cho Lach. Erneut fuehrte uns der Weg durchs abgelegene Niemandsland mit wenig Haeusern, vielen Palmen, Fluessen und Reisfeldern. Einfach traumhaft! Kurz vor unserem Ziel hatte mein Hinterrad einen Platten, nicht nur ein wenig Luft raus, sondern total flach! Fabian konnte den Schaden in Bestzeit beheben und fand auch einen Nagel, welcher durch den Pneu geschlagen worden war. Nach der ersten Reifenpanne der Tour ging es flott weiter bis nach Cho Lach. Dort fanden wir ein super Guesthouse. Wie wir es uns schon gewoehnt waren, begann es heftig zu regnen, kaum hatten wir eingecheckt!

Wir verliessen das Hostel nochmals fuer die abendliche Futtersuche. Eine Angestellte des Hotels kam lachend auf mich zu, als ich auf dem Parkplatz wartete und ueberreichte mir einen Zweig mit Blumen dran. Ich bin wirklich oft sprachlos ueber die kleinen Gesten des alltaeglichen Lebens in Asien!

In Richtung Ho Chi Minh City (Saigon)

Den Mittagsrast verbrachten wir am naechsten Tag in einem Vegirestaurant, etwas ab von der normalen Route. Die Familie schien, wie so oft in diesem Land, in ihrem Restaurant zu wohnen. Im hinteren Teil des Blechdachhauses befand sich eine improvisierte Kammer mit Holzwaenden, Blechdach und ohne Fenster, darin eine Matratze am Boden, Kleider aufgehaengt. Das Klo war so klein, dass sogar ich mich zusammenfalten musste, um ueberhaupt darin Platz zu haben. Unvorstellbar, dass man unter solchen Umstaenden leben kann! Wir sind schon enorm verwoehnt in der Schweiz!

Vorbei ging es anschliessend an einem Laden, welcher Hundefleisch zu verkaufen schien. Tja, zum Glueck assen wir kein Fleisch...man wusste also nie so genau, welcher Vierbeiner sich im Mittagessen verbarg!

Da wir am Ufer des breiten Mekongs keine Faehre fanden, welche uns ueber den Fluss fuhr, nahmen wir die riesige Bruecke, um nach My Tho zu gelangen. Bruecken waren momentan die einzigen Steigungen, welche wir zu bewaeltigen hatten. Aber auch die Bruecken hatten es auch ganz schoen in sich!

In My Tho fanden wir ein Hotel, wollten dann aber noch weiter schauen. Diese Suche zog sich dann etwa eine Stunde in die Laenge und ich wurde langsam etwas ungeduldig. Schliesslich fanden wir doch noch etwas Passendes, zwar mussten wir dem Besitzer zuerst sagen, dass er bitte die Bettwaesche wechseln solle, aber dies schien nicht speziell ungewoehnlich zu sein.

Am Abend organisierten wir eine Tour fuer den naechsten Tag, welche uns zu verschiedenen Inseln im Mekong bringen sollte. Die Verhandlungen fuer diese Tour waren ziemlich hart!

Wir goennten uns mangels Baeckereien wieder einmal eine Nudelsuppe zum Fruehstueck. Anschliessend begaben wir uns auf die am Vorabend gebuchte Mekong Bootstour. Sie begann damit, dass wir einen anderen Fahrer hatten, als besprochen. Wir mussten zuerst ueber einige Boote klettern, um zu unserem Boot zu gelangen.

Die Tour brachte uns zu vier Inseln, auf welchen wir die Produktion von Kokosnuss Candy anschauten, lokale Fruechte probierten, Reis- und Kokosnusswein degustierten und einheimischer Musik lauschten. Es war jedoch alles so touristisch, dass wir mit tausend anderen, meist vietnamesischen Touristen, in den Restaurants sassen oder durch Einkaufsstrassen geschleust wurden. Ich konnte den Ausflug nicht geniessen, da wir um alles mit dem Fahrer verhandeln mussten. Es war echt anstrengend, so dass ich das naechste Mal  eine Tour ueber ein Reisebuero oder Hotel buchen werde und nicht mehr bei jemandem auf der Strasse. Auch denke ich, waere ein richtiger Guide gut gewesen, um mehr ueber all die Hintergruende zu erfahren. Aber aus Fehlern lernt man ja bekanntlich. Die erste Mekongtour in Can Tho war viel besser gewesen, auch einiges weniger touristisch.

Zurueck im Hotel entschieden wir uns, noch 20km zu radeln, damit die letzte Etappe nach Saigon nicht mehr so weit war. Es war sehr gemuetlich so gegen 14 Uhr aufs Rad zu steigen und locker ein paar Kilometer auf einer Strasse mit wenig Verkehr entlang eines Kanals zu strampeln. Auch brannte die Sonne nicht mehr so sark auf unsere Haut, da Wolken am Himmel aufgezogen waren.

Wir hielten in Tan An, verbrachten erneut ziemlich lange mit der Hotelsuche. Am folenden Tag sollten wir Saigon erreichen. Weder Ram noch Fabian wussten, ob sie danach weiter radeln wollten. Fuer mich war klar, dass ich mich somit auf ein Weiterradeln alleine einstellen musste. Dies war zwar mein urspruenglicher Plan gewesen, doch nun hatte ich mich doch schon sehr an die tolle Begleitung gewoehnt. Auch wenn es oft kompliziert war, in einer Gruppe zu Reisen war es doch einfach nur wundervoll, all die vielen Eindruecke jeden Tag teilen zu koennen. Ich wollte den letzten Tag bis Ho Chi Minh auf jeden Fall in vollen Zuegen geniessen.

SAIGON (Ho Chi Minh City)

Der Weg fuehrte entlang einer ziemlich befahrenen Strasse in Richtung Grossstadt. Ram hielt an und schlug vor, nach einer kleineren Strasse zu suchen, da es auf diesem „Highway“ nicht so viel Spass machen wuerde. Wir fanden eine kleinere Strasse und rollten problemlos die rund 50km nach Ho Chi Minh. Nach dem Mittagessen montierte Ram die Flaggen der drei Laender, welche wir durchquert hatten, an seinem Rad. Er wolle mit „Style“ an seinem Reiseziel einfahren.

Es war schon seltsam ploetzlich von der Landstrasse in einer Riesenstadt zu landen. Wir fotografierten viel, konzentrierten uns auf die vielen Motorraeder und navigierten den Weg durch die Vororte bis ins Stadtzentrum. Als erstes goennten wir uns einen Fruchtshake, bevor wir auf Hotelsuche gingen. Auch eine Unterkunft fanden wir relativ schnell. Danach ging es zum Fotoshooting vor einer Statue im Zentrum und zum Abendessen ins Backpackerviertel. Obschon Saigon zirka 10 Millionen Einwohner haben soll, wirkte es auf mich viel ueberschaulicher und kleiner, als Bangkok. Auch war das Geschaefts- und Nobelviertel nicht gross, es gab beinahe keine Wolkenkratzer, die vietnamesische Kultur blieb ueberall deutlich spuerbar.

Ram war super erfreut und auch stolz, dass er es geschafft hatte, bis nach Saigon zu radeln. 1500km auf dem Rad von Bangkok nach Saigon. Ein Wahnsinn fuer ihn, da er noch die wirklich Rad gefahren ist.

Am ersten Tag schliefen wir endlich wieder einmal aus und wollten dann fruehstuecken gehen, als es zu regnen begann. Seltsam, bis anhin hatte es noch nie am Morgen geregnet. So gingen wir nur um den Block in eine etwas noble Baeckerei. Aber nach 1500km auf dem Rad dureft es wiedermal etwas angenehmer sein. Cappuchino und Rosinenbrot schlemmen ...welch ein Gaumenschmaus!!!

Anschliessend wagte ich mich zum Friseur. Er machte seine Arbeit sehr gut. Einzig dass er sehr nervoes und grob war, mir beim Waschen beinahe den Kopf abriss. Spaeter schnitt er viel zu viel weg...aber weg ist weg. Als er meine Haare dann etwas lockerte, roch er ploetzlich an einigen Haarstraehnen und sagte „very good“...Tja, es war sein Shampoo, oder nicht ? Diesen Geruch wird er wohl jeden Tag riechen. Ich fragte mich, ob er allen Kundinnen an den Haaren roch. Andere Laender andere Sitten...

Als ich zum Hotel zurueck ging, hielt eine Frau auf einem Motorrad neben mir an und sagte: „Take care your handbag“. Sie meinte damit, dass ich auf die Bauchtasche, welche an meiner Schulter baumelte, aufpassen sollte. Vielen Dank, so nett!

Am Morgen gingen die Jungs auf eine Sightseeingtour in Saigon. Ich genoss Kaffee und Rosinenbrot in der Luxusbaeckerei und machte mich anschliessend auf den Weg zur chinesische Botschaft, um ein Dreimonatsvisum zu beantragen. Die Botschaft war gar nicht sooo einfach zu finden, zumal Google Maps eine falsche Adresse anzeigte.

Ich verbrachte dann eine Stunde mit Warten und schaute dem chaotischen Treiben auf dem Konsulat zu. Erst dann erfuhr ich, dass ich hier kein Dreimonatsvisum bekommen wuerde. So verliess ich die Botschaft unverrichteter Dinge wieder, auf dem Weg zur Akupunktur. Im Spital musste ich fuer die Behandlung zuerst Nadeln kaufen gehen. Das war eine neue Erfahrung in meiner Akupunktur Laufbahn.

Also folgte ich dem netten Assistenten, der in gutem Englisch alles fuer mich erledigte. Mit einer Packung Nadeln fuehrte er mich zurueck ins Behandlungszimmer, wo schon einige halbnackte Vietnamesen mit Nadeln ueberall im Koerper herumlagen. Ich gesellte mich zu ihnen und wartete auf die Aerztin.

Die Behandlung war gut, ich solle morgen wieder kommen und die restlichen Nadeln wieder mitbringen.

Auf dem Heimweg  ging ich in einem richtigen Supermarkt einkaufen, das erste Mal seit Thailand! Ich genoss dies total! Der Name des Geschaeftes war „Coop“, so dass ich mich wirklich fast wie zu Hause fuehlte.

Am letzten Ruhetag in der Grossstadt fuhren Ram und ich mit dem teuren Taxi ins noble Krankenhaus. Ich wollte meinen Rueckenschmerzen auf den Grund gehen. Die Aerztin untersuchte mich fluechtig und liess ein Roentgenbild machen. Die Kosten dafuer musste ich immer schoen brav im Voraus bezahlen. Sie meinte dann, dass ich wohl unter einer Muskelverspannung leide, quasi dass der Muskel um die Huefte immer angespannt sei und sich nicht mehr entspanne. Ein paar Medikamente, Empfehlung zur Akupunktur und ich wurde 3 Stunden spaeter wieder entlassen.

Den Rueckweg wollten wir mit dem lokalen Bus zurueck legen, was gar nicht so einfach war! Wir fanden keinen Bus und jede Person, welche wir fragten gab uns eine andere Auskunft. Schliesslich stellen wir uns einfach an die Kreuzung und beobachteten, woher die Busse kamen und wo sie anhielten. Das funktionierte. Der Bus fuhr jedoch stundenlang durch alle Gassen, aber wir hatten es ja nicht eilig.

Zurueck im Hotel begann ich mit Packen. Nach ein paar Ruhetagen immer eine besondere Herausforderung, da der gesamte Inhalt der Taschen ausgepackt wird und meist nicht wieder rein passt.

Bis am Abend vor der Abreise hatte ich von meinen Begleitern keinen Bescheid darueber bekommen, wer nun weiterfahren wuerde und wer nicht. Diese Ungewissenheit war schon etwas anstrengend fuer mich, aber da musste ich durch. Es war fuer niemanden einfach im Moment.