Dong Hoi bis Hanoi

Dong Hoi

Wie immer Sonnenschein, als wir an diesem Morgen das Hotel verliessen. Wir beluden die Raeder und fuhren los zu einem kleinen Cafe. Ueberall wurde man um ein paar Dong gebracht. Immer ein wenig extra fuer dieses oder jenes, zum Beispiel fuer den Zucker zum Kaffee! Dies war ziemlich muehsam. Ich hatte das Gefuehl, dass die Mentalitaet am Wolkenpass geaendert hatte, die Leute nicht mehr so freundlich waren und uns eher als wandelnde Bankomaten betrachteten. Die Dinge waren generell etwas teurer geworden, aber immer noch sehr sehr guenstig.

Das Mittagessen bestand wiedermal aus gruenem Gemuese (welches ich wirklich nicht mehr sehen kann) und Reis...Ich ass deshalb nur die Minimalration, so dass ich gerade eben genug hatte.

So fuhren wir einer mehr oder weniger schoenen Strecke entlang, welche immer wieder den Blick aufs Meer frei gab. Als wir in unserem Ziel Ky Anh ankamen, fanden wir kein erschwingliches Hotel! Auch waren die Menschen eher unfreundlich. So entschlossen wir uns, zwei leckere, typisch vietnamesische Desserts zu verdruecken und dann, trotz fortgeschrittener Zeit, nochmals auf den Drahtesel zu sitzen. Zwei Vietnamesen hatten uns versichert, dass es nach einem oder fuenf Kilometern nochmals Hotels geben wird.

Es war schon fuenf, die Sonne stand tief. Wir fuhren sehr schnell, da wir es vermeiden wollten, bei Nacht zu fahren. Jedoch fanden wir weder nach fuenf, noch nach einem Kilometer irgend ein Hotel! Wahrscheinlich waren die beiden gar noch nie die Strasse aus ihrem Dorf heraus gefahren!

Wir stampelten nochmals gute 15km, bis wir das erste Motel sahen. Leider verlangte die Besitzerin acht Dollar fuer ein Loch mit Betten ohne Matrazte!!! Wir fuhren erneut weiter und fanden im naechsten Ort eine Bleibe. Zu unserer Ueberraschung naechtigten im selben Hotel zwei Jungs aus den USA, welche schon 14 Monate mit dem Rad unterwegs sind. Sie waren in Paris gestartet und wollen bis Shanghai fahren. Die beiden sind mit Rennraedern unterwegs! Leider schafften wir es nicht, mit ihnen am Abend noch Zeit zu verbringen. Wir gingen frueh essen und sie frueh schlafen... Im Restaurant feierten wir die 3000km und dass wir heute die laengste Tagesetappe gefahren sind. 110km!

Am naechsten Tag fanden wir heraus, dass die beiden Radler einfach davon gefahren waren, ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Das war schon ein recht spezielles Verhalten.

Nach Vinh an den Strand

Im Restaurant schlief ich ueber Mittag 2h auf der Yogamatte am Boden. Man stelle sich dies mal bei uns vor! Bevor wir los fuhren, kam eine Frau und bettelte. Ich winkte ab, sie blieb anschliessend bei unseren Raedern stehen. Ich dachte noch, dass sie bestimmt was anderes nimmt, wenn ich ihr kein Geld gebe. Als wir am Abend vom Strand und dem Abendessen zurueck kamen, stellte ich prompt fest, dass mein Schloss am Rad fehlte. Ob es wohl ueber Mittag abhanden gekommen war? Anders ist es fast nicht zu erklaeren.

Es war der erste nicht sonnige, ziemlich truebe Tag seit drei Monaten! Wir fuhren am folgenden Tag 95km durch ziemlich unspektakulaere Landschaften. Die Strasse war stark befahren und es war der erste Tag, an welchem mich das Gehupe wirklich nervte. Es wurde Zeit, schnell nach Hanoi zu kommen und dann vielleicht ein wenig ruhiger an die chinesische Grenze zu fahren.

Am Abend fanden wir schnell ein sehr gutes Hotel fuer 10 Dollar und konnten gleich auch im Hotel essen. Ram bekam seinen Job in Laos bestaetigt und wollte nun mit Fabian von Hanoi aus nach Bangkok fliegen.

Die Halong Bucht auf dem Land

Wir fuhren am Morgen los, nachdem die Putzfrauen unsere Helme probiert hatten und sich dabei kruemmten vor Lachen. Eine nette Dame vom Markt fuhr uns mit ihrem Rad zu einem Cafe, da wir unfaehig waren, das kleine Restaurant selbst zu finden. Die Vietnamesen sind wirklich unglaublich nett! Anschliessend verliessen wir den Ort und radelten los. Es war wieder sonnig, aber nicht zu heiss. Interessant war, dass die Strassenzustaende von Provinz zu Provinz recht unterschiedlich waren. Fuhren wir am Morgen noch auf einer glatten Autobahn, wurde die Strasse gegen Abend in der naechsten Provinz staubig und mit Loechern uebersaeht. Die Landschaft wurde huegliger, ueberall saeumen nun riesige Kalksteinformationen den Weg.

Gegen sechs Uhr kamen wir nach 105km auf dem Rad in Ninh Binh an. Wir checkten gleich im ersten Hotel ein, duschten und gingen essen. Jedoch fanden wir kein Vegiresti. Also entschieden wir uns fuer Fastfood in einem Pizzaladen. Die Angestellten verstanden unsere Sonderwuensche (ohne Kaese auf der einen Haelfte der Pizza, ohne Tomatensauce auf einem Viertel der Pizza usw) natuerlich nicht, obwohl wir per Telefon einen Uebersetzer anrufen konnten. Die erste Pizza war nicht, was wir bestellt hatten. So marschierten wir kurzerhand selbst in die Kueche, nachdem Ram auch mit Google Translate keinen Erfolg hatte. Wir zeigten den Koechen, was wir auf welcher Pizza haben wollten. Das war echt witzig, die gesamte Belegschaft schaute zu und lachte mit. Sie meinten dann, dass dies nun die „Vietnampizza Nr.1“ werde. Die Pizza „Tiefkuehlgemuese“ und die Cola schmeckten dann etwas fad, aber was soll’s. Der Spass war es allemal wert.

Am naechsten Morgen fuhren wir mit den Raedern in die Kalkfelsenlandschaft in der Naehe von Ninh Binh. Es sah ein wenig aus, wie Halong Bay, einfach auf dem Land. Wir buchten eine Bootstour zu den Hoehlen in diesen imposanten Felsformationen. Eine Vietnamesin ruderte uns eineinhalb (und nicht wie versprochen drei) Stunden durch die Flusslandschaften und die imposanten Hoehlen. Es war eine friedliche Fahrt, wir genossen die Ruhe und den Anblick der schoenen Landschaft. Von Ninh Binh aus lohnt sich dieser Ausflug auf jeden Fall. Danach fuhren wir zurueck in die Stadt und suchten lange ein Restaurant.

Auf zum grossen Ziel HANOI

Wir beluden die Raeder das letzte Mal als Gruppe. Es dauerte eine ganze Weile, bis sich jemand dazu bereit erklaerte, ein Foto von uns zu machen.

Dann ging es gemuetlich los. Die Strecke war ziemlich befahren und nichts fuers Auge. Ausserhalb von Ninh Binh rissen sie ganze Haeuserreihen ab, um die Strasse zu verbreitern! Kurz vor Hanoi landeten wir aus Versehen auf dem Highway und mussten nochmals umkehren und im Gegenverkehr zur Abzweigung zurueck fahren. Wir fuhren die 94km relativ langsam, kamen jedoch schon sehr frueh in HANOI an! Wahnsinn!!! Ziemlich genau 3 Monate, 89 Tage waren, wir unterwegs. Eine unendlich lange Zeit, so viel ist geschehen!!! 3600km haben wir zurueck gelegt. Es war ein schoenes und auch seltsames Gefuehl, in Hanoi anzukommen. Niemand von uns wusste, wer wie lange radeln wuerde und doch haben wir es alle bis hierhin geschafft. Fabian wird nun nach Bangkok fliegen und dort einen Sprachkurs besuchen, Ram fliegt ebenfalls nach Bangkok, um dann den Job in Laos in einer Woche zu beginnen.

Hanoi und ein wenig der Grenze zu China entgegen (in Richtung Lao Cai)

Wir gingen alle gemeinsam fruehstuecken und ich begab mich danach auf die chinesische Botschaft. Ich war die erste Person, wartete jedoch noch eine Weile vor verschlossener Tuer. Danach ging alles erstaunlich schnell. Nochmals ein zusaetzliches Formular ausfuellen (nachdem ich schon vier Seiten geschrieben hatte!!!) Rams Kollege aus Shanghai war so lieb, mir einen Einladungsbrief und einige andere Dokumente zu schicken, so dass ich sicher ein Visum bekam. Leider waren die Beamten sehr stur und gaben mir nur ein Einmmonatsvisum! Es war nichts zu machen. Weiter war die Botschaft in der kommenden Woche fuer drei Tage geschlossen, so dass ich eine geschlagene Woche auf das Visum warten musste! Solange ohne Pass in der Weltgeschichte herum radeln? Tja, ich hatte wohl keine Wahl.

Am Nachmittag fuhren wir dem grossen See entlang zu einem Radcafe, welches von einem Spanier gefuehrt wurde, der drei Jahre mit einem E-Bike durch die Welt gefahren war. Er nahm sich Zeit, setzte sich zu uns und plauderte lange mit uns. Er meinte, dass China schon sehr intensiv sei. Die Menschen dort wuerden auf einem anderen Planeten leben. Auch wisse man nie so genau, was man esse, die Strassenkarte nuetze nix, da niemand einem verstehe usw. Ich habe immer mehr Respekt vor China.

Es war sehr interessant, mit ihm zu plaudern. Ich sagte mir, dass ich es in China versuchen werde, wenn es mir nicht gefaellt, dann besorge ich mir nochmals ein vietnamesisches Visum und radle ein wenig in Vietnam und vielleicht Laos. Mal schauen.

Vor dem Hotel beluden Ram und ich unsere Raeder mit dem Noetigsten fuer drei Tage. Wir mussten Fabian tschuess sagen, da er am naechsten Tag nach Bangkok flog. Es war toll, dass er mit dabei war, aber sein Radabenteuer war nun zu Ende.

Wir fuhren in Richtung Westen. Es war wieder einmal drueckend heiss und der Verkehr extrem chaotisch in Hanoi. Es erfroderte einiges an Geschick, unversehrt durch die ziemlich schmalen Gassen zu fahren, zusammen mit 100 Motorraedern. Die Strasse wurde schmaler und die Haeuser am Strassenrand weniger. Auch wurde der Verkehr zunehmend weniger. Wir fuhren dann auf der Strasse 32C dem Fluss entlang. Die Landschaft war traumhaft schoen! Gruene Wiesen, Baeche und wenig Haeuser! Es ist lange her, dass ich eine Fahrt so geniessen konnte! Schade, dass Fabian nicht mehr dabei war. Wir hatten ja am Morgen noch lange diskutiert, welche Route wir an die Grenze fahren sollten. Ich glaube, wir haben die richtige Wahl getroffen. Gerne wuerde ich hier weiter fahren in Richtung Kunming (China), aber da ich nicht viel Zeit uebrig haben werde und Kunming in den Bergen liegt, wird dies nicht moeglich sein. Ich geniesse nun einfach die Fahrt an die Grenze durch die wunderschoene Landschaft.

Leider waren auch die Hotels sehr duenn gesaeht. So fanden wir zwar schaebige Absteigen zu ueberhoehten Preisen, doch entschieden wir uns immer dazu, noch ein wenig weiter zu fahren. Als um vier Uhr die Schatten laenger wurden und die Umgebung in ein goldenes Licht getaucht wurde, hatten wir immer noch keine Bleibe gefunden. Wir radelten weiter. Genossen das Lichtspiel, die Aussicht auf Fluss, Reisfelder und die Berge im Hintergrund und konnten beobachten, wie die Sonne langsam sank und ein beeindruckendes Abendrot hinterliess. Wir mussten sogar im Dunkeln weiter radeln. Das war etwas speziell und auch ein wenig beaengstigend, da ich keine Taschenlampe mitgenommen hatte. Um sieben fanden wir, wie aus dem Nichts an die Strasse gestellt, ein Hotel. Ram sagte, er wuerde zu jedem Preis hier bleiben.

Es war weit und breit kein Dorf in Sicht, so dass wir nach 101km auf ein Abendesssen verzichten mussten!

Am folgenden Morgen packten wir und sattelten die Raeder. Nebel schwebte ueber dem Fluss vor dem Hotel. Die Fahrt ging weiter durch kleine Doerfer, entlang des Flusses. Die Haeuser waren relativ gross und solide gebaut, wahrscheinlich handelte es sich hier um eine etwas reichere Provinz. Wir ueberquerten den Fluss, da wir auf dieser Seite beinahe keine groesseren Orte mehr sahen. Die Strasse wurde immer schmaler, fuehrte ueber Felder, vorbei an kleinen Haeusern, durchs Niemandsland. Oft wurde Gras oder Getreide auf der Strasse getrocknet, so dass das Fahren zu einem einzigen Slalomlauf wurde.

Ich genoss es sehr auf diesen kleinen verkehrsfreien Strassen zu fahren. Kein Gehupe, schoene Landschaft, Ruhe und gute Luft. Der Abstecher in Richtung Grenze hatte sich allemal gelohnt! Mittagessen in einer kleinen Huette. Die nette Besitzerin kochte uns Nudelsuppe und faecherte uns mit einem Palmblatt andauernd kalte Luft entgegen, da sie keinen Strom hatte, um den Venti zu betreiben. Anschliessend warf ich meine Yogamatte aus und schlief ein wenig vor dem Restaurant auf dem Boden.

Das Gelaende war ein wenig hueglig, so dass wir nicht so schnell vorwaerts kamen. Auch suchten wir unendlich lange nach dem Ort Yen Bai, verfuhren uns und landeten am Fluss. Irgendwann erreichten wir den Ort und beschlossen, zu bleiben. Es waren „nur“ 60km, aber es reichte. Ich war nicht so motiviert, etwas muede und auf der Karte war keine groessere Ortschaft mehr auszumachen. Wir fanden sogleich ein Hotel, gingen zum Bahnhof, um uns nach einem Zug zurueck nach Hanoi zu erkundigen.

Wir wachten frueh auf, wollten noch 40km fahren, als letzter Tag fuer Ram. Als ich die Vorhaenge zurueck schlug sah ich jedoch, dass es in Stroemen regnete. Die ganze Nacht ueber hatte ein Unwetter getobt. So blieben wir liegen, mussten wohl oder uebel von Yen Bai den Zug zurueck nach Hanoi nehmen. So war es also am Vortag unverhofft Rams letzter Radtag gewesen.

Als wir am Schalter das Ticket kauften, erfuhren wir, dass zwei Personen und zwei Raeder, sowie fuenf Stunden Fahrt im Hartholzabteil 6 Franken pro Person kosteten. Wir brachten die Raeder auf das Perron, mussten sie jedoch selbst verladen. Der Zug war uebervoll, es war auch der einzige Tageszug, welcher nach Hanoi fuhr. Alle anderen Zuege fuhren in der Nacht. Zum Teil teilten sich fuenf Personen eine Bank, Kinder und Erwachsene gestapelt. Abfall bedeckte den Boden und es war sehr laut. Aber immer noch einiges komfortabler, als die Zuege in Burma.

Wir kamen nach 6h Fahrt auf der harten Holzbank in Hanoi an, entluden die Raeder aus dem Gepaeckwagen und fuhren zurueck zum Hotel. Anschliessend assen wir erneut beim Inder, tranken einen letzten Fruchtshake.

Good bye Ram

Beim Fruehstueck am naechsten Morgen meinte Ram, die Reise an sich sei etwas vom Besten gewesen, was er je gemacht habe. Danach gingen wir die Raeder waschen und liessen Rams Rad fuer 2.5 Franken in eine Box verpacken. Die Angestellten vom Radladen nahmen es sehr genau! So schraubten sie alles moegliche ab und verpackten es nochmals in gepolstertem Plastik! Die Kiste wurde dann auf meinem Gepaecktraeger zurueck ins Hotel gebracht. Ein Grossraumtaxi fuhr uns zum Flughafen, wo das Einchecken beinahe reibungslos von statten ging. Ram redete der Dame am Check-in Extragebuehren fuer das Fahrrad aus und alles ging sehr schnell. Wir hatten sogar noch ein wenig Zeit, um eine Suppe zu essen. Der Abschied fiel schwer, da wir nicht wussten, wann wir uns wieder sehen werden.