Da Lat nach Tuy Hoa

Von den Bergen ans Meer

Nach einigen Ruhetagen im kuehlen Da Lat, ging die Reise weiter ueber die Berge in Richtung Buon Ma Thuot. Ram und ich fuhren sehr spaet los an jenem Tag. Es war schon Mittag, als wir im Dorfkern von Dalat Geld bezogen und anschliessend nochmals eine letzte Steigung erklimmen mussten, bevor es abwaerts ging. Es war eine wunderschoene Passstrasse, welche kurvenreich ins Tal fuehrte. Vorbei an Huegeln, durch Waelder und oft mit Aussicht aufs Tal und in die Berge. Einfach atemberaubend!!! Es war fuer mich der schoenste Strassenabschnitt auf der gesamten Reise. Traumhaft!

Die vielen anstrengend erkletterten Hoehenmeter verloren wir nun in einem Schwung. So waren wir ohne gross in die Pedalen zu treten schon bald 20 km gefahren. Im Tal angekommen, fuehrte die Strasse etwas hueglig durch kleine Doerfer. Beim Elefantenwasserfall (so der Name des Naturschauspiels) machten wir Halt und assen etwas. Da es zu regnen begann, beschlossen wir, in dem Dorf zu bleiben, obschon wir nicht viele Kilometer gefahren waren an diesem Tag. Gemuetlich schauten wir uns dann im Regen den Wasserfall an und suchten in der Regenpause ein Guesthouse. Dies war gar nicht so einfach. Das erste war sehr schmuddelig und viel zu teuer und das zweite hatte kein Wasser! Die Besitzerin fuehrte uns dann jedoch zu einem top modernen Haus; ihr zweites Guesthouse. Einfach genial und sogar mit WIFI!! Weniger toll war, dass wir kein Restaurant fanden an diesem Abend.

So kauften wir verschiedene Sachen ein wie Dumplings, Brot, Joghurt und Pommes Chips. Diese zusammengewuerfelten Lebensmittel ergaben dann ein sehr interessantes Abendbrot. Armer Magen, musste so eingies erdulden auf dieser Reise!

Eine verstauchte Hand...

Am naechsten Tag ging es weiter ueber viele Huegel, auf kleinen Strassen, welche immer schmaler wurden. Ein Abschnitt war mit Loechern uebersaeht, weshalb wir nur sehr langsam vorwaerts kamen. Ram hatte das Pech, seine Hand bei einem Beinahesturz zu verstauchen, so dass das Ueberdiehuegelfahren noch anstrengender wurde fuer ihn.

Beim laengsten Aufstieg an diesem Tag ging es etwa fuer zehn Kilometer den Berg hoch. Schieben der Raeder war angesagt. Wir hielten in einem kleinen Cafe am Hang, wo ein Vietnamese sehr gut Englisch sprach, uns den Weg erklaerte und mir so einige wichtige Dinge wie „Affe“ oder „Eule“ auf Vietnamesisch beibringen wollte.

Im Restaurant auf der Passhoehe assen wir ein wohl verdientes Mittagessen. Es begann zu regnen, worauf wir die Abfahrt noch ein wenig verschoben. Wir fuhren dann den langen Rest der Strecke im Regen. Die Landschaft war wunderschoen! Hueglige, kurvenreiche Strassen und es ging einfach nur noch den Berg runter.

Irgendwann fuhr ich dann schneller, da es schon dunkel zu werden begann. Dichte Waelder saeumten den Weg, aus welchen Nebel kroch! Ein ziemlich mystischer Anblick, auch ein wenig unheimlich war es. Als ich noch weit vom naechsten Dorf entfernt war, fuhr ein Vietnamese neben mir her auf dem Motorrad. Wir konnten kein Wort miteinander sprechen, aber er begleitete mich im Regen etwa 7 Kilometer bis zum naechsten Dorf. So nett!!

Ich wartete im Regen an einer Kreuzung auf Ram. Er holte mich erstaunlich schnell ein. Gemeinsam furhen wir schlotternd weiter, bis wir im Eindunkeln zu einem Dorf kamen. Wir waren enorm erleichtert, dass wir ein einfaches „nha nghi“ (Hostel) fanden. Heisses Wasser war der Luxus des Abends! Als wir gerade am Schach spielen waren, rief uns der Hotelbesitzer zu sich. Ein Polizist sass im Wohnzimmer und schaute unsere Paesse an! Anscheinend hatte er nur Rams altes Visum gesehen und meinte nun, sein Pass sei nicht ok. Ram gab ihm dann zu verstehen, dass er noch ein Visum habe. Der Sohn des Hotelbesitzers uebersetzte fleissig ins Englische. So suess...er sprach sehr gut Englisch. Der Polizist gab sich dann zufrieden und fuellte fuer uns sogar die Formalitaeten zur Registrierung im Hotel aus!

Am naechsten Morgen schien wieder die Sonne. Wir standen zeitig auf, machten uns relativ frueh auf den Weg. Son, der Junge der Besitzer plauderte noch ein wenig mit uns. Wir fuhren anschliessend die hueglige QL27 entlang, fanden jedoch kein Brot oder Fruehstueck. So improvisierten wir mit Keksen und Kaffee. Rams Hand wurde mit viel Eis und zwei elastischen Binden eingewickelt. Es sah ziemlich abenteuerlich aus!

So krochen wir bei angenehmen Temperaturen ueber die Berge, genossen die wunderschoene Landschaft. Huegel, Berge, Taeler, Seen und Baeche. Sehr abwechslungsreich. Am Mittag fanden wir gleich nachdem Ram im Niemandsland sagte, dass er Hunger habe, ein Restaurant. Wir assen und blieben zum Glueck noch ein wenig laenger sitzen. Es begann heftigst zu regnen, so dass man nicht einmal mehr den See hinter dem Restaurant sah! So etwas hatte ich noch nie gesehen in Vietnam!

Als wir an einer Kreuzung hielten, fuhren einige Jugendliche an uns vorbei. Sie drehten nochmals um und begannen mit uns zu posieren fuer irgendwelche Fotos! Einfach so stellten sie sich neben uns und umarmten mich. Ich stank sehr, doch dies schien sie nicht weiter zu stoeren. Das war echt witzig! Danach schwangen sie sich auf ihre Motorraeder und fuhren weiter.

Der Weg war zwar wunderschoen, jedoch war das Gebiet nur sehr duenn besiedelt! Keine Restaurants oder Haeuser mehr. Es war schon spaet und wir mussten immer noch 20km zum naechsten Dorf fahren. Aber das Glueck war wieder einmal auf unserer Seite. Es folgte eine lange Abfahrt, gefolgt von einer flachen Strasse durch Reisfelder ins naechste groessere Dorf. Wir fanden auch gleich ein Hotel, liessen die Raeder waschen, gingen essen und verbrachten einige Zeit mit Tagebuchschreiben.

Grossstadt in den Bergen

Am naechsten Tag verliessen wir Lien Son zeitig hinaus in einen sonnigen und himmelblauen Tag. Es war landschaftlich einfach unbeschreiblich. Es begann mit der Fahrt entlang des Ho Lak Sees, dann folgten Reisfelder mit Bergen im Hintergrund. Schmetterlinge ueberall, es fuehlte sich einfach nur gut an, durch diesen Traum zu radeln.

Wir fuhren bis nach Buon Ma Thuot, welches eine groessere Stadt mit Flughafen war. Seltsam, von der abgeschiedenen Bergwelt ploetzlich wieder in der Zivilisation zu sein.

Wir waren schon frueh am Ziel angekommen, so dass uns genug Zeit blieb, um einen Fruchtshake auf die bereits 2000 zurueckgelegten Kilometer zu trinken. Wahnsinn!!! So viel hatten wir schon erlebt. Bangkok schien Jahre entfernt zu sein!

Wir legten einen Ruhetag ein in Buon Ma Thuot, da Ram sein Visum verlaengern musste. Dazu nahm er eine  sechs stuendige Busfahrt auf sich, um kurz nach Kambodscha auszureisen. Ich erledigte an dem freien Tag kleine Dinge, wie Waesche in die Waescherei bringen, Fotos sortieren und einen Bankomaten suchen, welchem mehr als nur 100 Schweizer Franken zu entlocken waren. Gar kein so leichtes Unterfangen!

Als ich am Abend im Vegiresti ass, setzte die Bedienung sich ungefragt auf mein Rad und drehte eine Runde um den Block. Anschliessend ging das Rad an den Bruder weiter, welcher dann ziemlich lange fuhr, so dass ich schon einmal in die umliegenden Geschaefte ging, bis er zurueck kam. Schon witzig...ich kannte diese Personen ueberhaupt nicht, hatte aber nie das Gefuehl, dass meinem Rad irgendwas geschehen wuerde.

Eigentlich wollten wir weiter den Bergen entlang radeln, entschieden uns dann jedoch in Buon Ma Thuot dazu, wieder in Richtung Meer zu fahren, frueher als urspruenglich geplant. Diese Entscheidung war nicht leicht, da wir die schoene Bergwelt sehr lieb gewonnen hatten, auch wenn es mit vielen Anstrengungen verbunden war. Auf der Karte und dem Hoehenprofil auf dem Internet mussten wir dann jedoch feststellen, dass uns der weitere Weg in den Bergen zu fest ausgebremst haette.

Diese Entscheidung bedeutete auch, einen Umweg gemacht zu haben, da wir direkt von Da Lat ans Meer haetten fahren koennen. Tja, das geschieht eben, wenn man nicht so weit voraus schaut. Auf jeden Fall hatte es sich gelohnt, noch ein wenig laenger Bergluft schnuppern zu koennen.

Eine Nacht im Zelt...

Am uebernaechsten Tag wollten wir bis M’Drak radeln. Ich kam lange vor Ram an und begann sogleich mit der Hotelsuche. Das eine war viel zu teuer, die Angestellte nicht gerade freundlich, danach folgte die Besichtigung eines kleinen Nha Tro's, welches wirkliche Loecher als Zimmer vermietete und dann noch ein letztes, in welchem das Preis- Leistungsverhaeltnis ueberhaupt nicht stimmte. Was nun? Wir fragten einige Leute auf der Strasse, aber alle sagten, dass es kein anderes Hotel gab in dem Ort. Auch auf der Strecke in Richtung Meer (also die naechsten 160km) gebe es nichts mehr. Wir fuhren trotzdem weiter, in der Hoffnung, irgendwo ein kleines Guesthouse zu finden. Es war schon halb fuenf, wir hatten noch ein einhalb Stunden Zeit, bevor es Nacht wurde.

Die Landschaft war wieder unbeschreiblich schoen. Leider konnten wir sie nicht so richtig geniessen, da wir es ziemlich eilig hatten. Es ging einige Huegel hoch, das Tageslicht wurde immer weniger. Kein Hotel weit und breit. Noch ein Huegel, eine Abfahrt und dann ging es wieder den Berg hoch. Irgendwann fragte ich bei einem Restaurant, ob wir das Zelt aufstellen duerfen, da es schon eindunkelte und ich noch etwas Zeit benoetigte, um das Zelt zum ersten Mal aufzustellen.

Der Angestellte zeigte uns dann einen Platz im Gewaechshaus neben dem Restaurant. Er schlug uns vor, dass wir das Zelt dort aufbauen. Zwar war der Boden aus Zement, doch konnten wir die Schnuere des Zeltes am Gitter des Gewaechshauses befestigen. So imropvisierten wir den Aufbau des Zeltes ein wenig. Irgendwann stand das Zelt und es begann auch schon leicht zu regnen. Wir improvisierten ebenfalls etwas mit der Dusche; mit ein paar vollen Kuebel Wasser im Stehklo. Anschliessend genossen wir das mitgebrachte Essen aus dem Vegirestrestaurant. Ein wirkliches Festessen nach 80km auf dem Rad.

Vor dem Schlafen spielten wir ein wenig Schach im Zelt; mit der Stirnlampe auf dem Kopf. An Schlaf war lange nicht zu denken, da es unglaublich heiss war! Auch fuhren dauernd Lastwagen auf der Strasse am Zelt vorbei, die ganze Nach ueber. Ich schlief schlecht bis gar nicht, Ram hatte Bauchschmerzen und mit der Hitze zu kaempfen. Es war nicht die beste Nacht der Tour.

Es dauerte ziemlich lange, bis wir all das Material am folgenden Tag wieder in den Taschen verstaut hatten. Rams Magen war noch nicht besser. So tuckerten wir dann langsamer los. Der Weg fuehrte durch Berge und viel Niemandsland. Zum Schluss folgte eine 10 km lange Abfahrt, welche wir sehr genossen. Wir waren froh, dass wir diesen Pass nicht erklimmen mussten!

Bis hinunter ans Meer

Gegen Abend kamen wir in Ninh Hoa an, einer kleinen Stadt am Meer. Gleich nach der langen Abfahrt wurde die Temperatur wieder deutlich heisser, die Landschaft kahler und staubiger. Es war ein riesen Unterschied zur kuehlen Bergluft! Dafuer war die Strasse nun flach, was das Radeln enorm erleichterte.

Am ersten Tag im Flachland hielten wir oft, Ram war durstig, die Temperatur machte uns zu schaffen. Die Landschaft war viel dichter besiedelt, als noch in den Bergen. Zum Teil jedoch menschenleer mit Reisfeldern und Bergen im Hintergrund. Das Meer sahen wir leider nur selten.

Unterwegs hielt ich, um nach Dessert Ausschau zu halten. Als ich fragte, wie teuer eine Packung Kekse war, schaute die Verkaeuferin mich neugierig an, kam aus dem Geschaeft und klopfte mir einfach ein paar Mal auf den Hintern...ich tat dann das selbe bei ihr und sie erholte sich beinahe nicht mehr vor lachen! Wir lachten noch lange und waren wohl beide erstaunt ueber die Keckheit der anderen.

Am letzten Tag vor Tuy Hoa fuhr Ram frueher los, da es einige Huegel gab auf der Strecke, welche er langsamer angehen wollte. Ich troedelte dann ein wenig am Morgen und fuhr spaeter los. Es waren nur wenige Kilometer, aber fuer mich war es eine Qual. Ich war total kraftlos und wusste nicht, weshalb. Als ich Ram in Tuy Hoa traf, schlug ich ihm vor, einen Ruhetag einzulegen. Wir fuhren dann lange in der Hitze dem Meer entlang, auf der Suche nach einem Hotel. Lange fanden wir nichts Passendes, bis wir schliesslich in einem von aussen sehr herunter gekommenen Hotel ein wirklich schoenes Zimmer fanden. Nach dem Duschen fiel ich total kraftlos aufs Bett und schlief lange. Das Ausruhen und ein paar Stunden am Strand halfen mir dann jedoch, wieder etwas Kraft zu gewinnen.