Majuli Island nach Delhi

17.6.2014 Majuli Insel – Bokakhat 98km

Ich hatte nicht geschlafen, weil es in der Bambushuette heiss war, und weil mir das Abschiednhemen von der Gruppe schwer fiel. Am Vortag entschloss ich mich, alleine los zu fahren, da die anderen unterschiedliche Plaene hatten. Ich war dann jedoch sehr froh, dass Minsung mich begleitete, da auch er nicht mehr laenger auf der Insel herumsitzen wollte.

Wir starteten frueh, so dass wir die erste Faehre um sieben von der Insel nehmen konnten. Kaum angekommen, konnten wir die Raeder auf die Faehre verladen und wenige Minuten spaeter fuhren wir schon den Bramaputra Fluss hinauf.

In Jorhat gerieten wir in eine Demonstration, welche die Strasse blockierte. Wir mussten beinahe einen langen Umweg fahren, jedoch liessen uns die Demonstranten nach laengerer Diskussion netterweise passieren. Sofort waren wir wieder umringt von Fernsehteams und Reportern, welche uns ausfragten. Das gehoert schon fast zum taeglichen Brot.

Da wir sehr hungrig waren, suchten wir uns ein Restaurant. Als wir uns gerade setzten, kam ein Mann hereingestuermt und stellte sich uns kurz vor. Er sei Sam, ebenfalls ein Radfahrer, er wohne in Guwahatti und falls wir dort vorbei kommen, sollen wir ihn anrufen. Er drueckte uns seine Karte in die Hand und war auch schon wieder weg! Unglaublich! Wir hatten kaum fuenf Minuten miteinander geredet!

Wir fuhren den ganzen Tag ueber, auch wenn es sehr heiss war. Die Landschaft war wieder wunderschoen. Der Staat Assam kommt mir ein wenig vor wie die Schweiz. Alles sehr sauber, ueberall kleine Haeuser hinter einem Zaun versteckt, tolle Strassen ohne einen Makel und viel viel Gruen ueberall. Das einzige, was weniger an die Schweiz erinnert, ist der Kuh-Ziegen-Slalom, welchen man auf der Strecke absolvieren muss.

Unterwegs wurden uns wieder Getraenke gekauft und ein Mittagessen gesponsert!

Am Abend hatten wir grosse Muehe, eine Unterkunft zu finden. Zu teuer, zu schmutzig, wieder zu teuer...schlussendlich stiegen wir in einem wirklich schaebigen Hotel ab, verlangten aber wenigstens frische Bettwaesche. Der Spass kostete uns immerhin 10 Dollar!

In Bokakhat waren zwar unzaehlige Baeckereien zu finden, aber es mangelte an Restaurants. So improvisierten wir eben ein wenig mit dem Nachtessen. Als wir uns noch einen Nachtisch goennen wollten, war uns die Auswahl an Suessigkeiten fast ein wenig zu viel. Minsung fragte: “What is this?“ – „pineapple cake“ – „and that?“ – „chocolate cake“ – „and which one is better?“ – “well, if you like pineapple, then this one, if you like chocolate, then that one” war die Antwort. Aha…gut, keine weiteren Fragen.

18.6.2014 Bokakhat – Amoni 90km

In der Nacht hatte ich Baeche geschwitzt, es war sooo heiss im schaebigen Hotel! Ich war froh, als wir am Morgen frueh los fahren konnten, da es dann jeweils noch einigermassen kuehl war.

Als wir durch die Teeplantagen fuhren, hielt ein Motorrad neben uns und der Fahrer lud uns zum Fruehstueck ein! Er arbeitete auf der Teefarm als Manager und hatte zu Hause einen kleinen Teegarten, welchen er uns gerne zeigen wuerde. Tourismus sei sein Hobby und er wolle, dass sich die Touristen in Assam wohl fuehlten. Er erzaehlte uns ueber die verschiedenen Teesorten und das Leben in Assam. Darauf hin bezahlte er unser gesamtes Fruehstueck. Unglaublich lieb! Wir verabschiedeten uns und fuhren weiter.

Ich bin total begeistert von diesem Staat! Landschaftlich einfach der Hammer, so sauber und die Menschen unglaublich nett. Ich fuehle mich aucht total sicher.

Wir fuhren durch den Kaziranga Nationalpark. Anscheinend ist der Park beruehmt fuer seltene Rihnos, Tiger und Elefanten. Wir sahen nur zwei gefangene Elefanten. Unterwegs stoppten uns dann ein paar Maenner und zeigten in die Ferne. „Rhino!“. Ich sah in der Wiese einen Grauhaeuter. Als mir der Herr jedoch das Fernglas gab (er wollte auch noch Geld dafuer...), sah ich, dass es sich um Bueffel handelte. Nice try!

Der Park selbst war geschlossen in dieser Jahreszeit. Dafuer konnten wir lange Strecken durch einen wunderschoenen Dschungel geniessen, wo wir seltene Voegel hoerten.

Es war ziemlich heiss und dennoch schafften wir 90km. Wir suchten fruehzeitig ein Guesthouse und fanden ein total tolles Hotel. Der Zimmerjunge hatte Humor, als er mir das Zimmer zeigte machte er eine ausladende Geste und beinahe ein Kniefall „this is the room“. Er war unglaublich nett, reparierte den Venti, fragte, ob wir TV wollen, brachte uns Wasser und fragte nach Kaffee oder Tee. Ich bin mir so viel Liebenswuerdigkeit in den Unterkuenften gar nicht mehr gewohnt. Es tat gut! Minsung verbrachte den halben Abend mit der Reinigung seines Rads. Mein Rad haette dies auch noetig, aber ich war einfach zu muede dazu!

19.6.2014 Amoni - Nagaon 36km

Am Morgen beruehrte mich die Art des einen Hotelangestellten nochmals sehr. Er war total aufmerksam, erledigte alles mit einer unglaublich herzlichen Art. Es waren die kleine Dinge, welchen er besondere Aufmerksamkeit schenkte, was mich jedoch einfach nur ruehrte. Am Abend kam er uns eine gute Nacht wuenschen und am Morgen stand er vor der Tuer, nur um uns guten Morgen zu sagen.

Minsung und ich tickten beide gleich, so dass wir am Morgen ein wenig troedelten. Wir fuhren nur 36km in die naechste Stadt nach Nagaon und entschieden uns, den Nachmittag mit Entspannen zu verbringen. Auch machten uns die dunklen Wolken am Himmel ein wenig Sorgen.

In Nagaon fanden wir nur ein guenstiges Hotel, in welchem wir im Massenschlag fuer 3 Dollar uebernachten konnten. Das Bad mit der Kuebeldusche haette ich besser nicht hell erleuchtet gesehen. Aber auf diese Art zu reisen bedeutet eben auch, nicht heikel zu sein. Flip Flops montieren und den Blick nicht auf den Boden richten waehrend des Duschens...Auch war der Massenschlag alles andere als gemuetlich. Die Matratze stank so fuerchterlich, dass ich in der Nacht zwei Mal erwachte.

Wir goennten uns einen vegetarischen Burger und jede Menge Ice Cream an diesem Nachmittag. Ich nutzte das weiche Licht, um Fotos von all den Rikschas und in farbige Tuecher gehuellten Frauen auf der Strasse zu machen. Ansonsten hatte diese Kleinstadt nicht viel zu bieten.

20.6.2014 Ruhetag Nagaon

Da das Wetter immer noch schlecht war, entschieden wir uns, einen weiteren Tag in Nagaon zu bleiben. Es regnete immer wieder sehr stark, so dass wir zum Teil fuer Stunden in einem Restaurant fest sassen.

Nachdem wir von einem feinen, aber teuren Essen zurueck kamen, teilten uns die Hostelbesitzer mit, dass wir vom Massenschlag ins teure Aircon Zimmer wechseln durften zum selben Preis, weil die Herren vom Forstministerium eingetroffen seien. Sie wuerden den Massenschlag bewohnen. Minsung fluesterte mir zu, dass mein Wunsch soeben wahr geworden war. So lustig! Ich wollte wirklich nicht mehr auf der stinkigen Matratze im Massenschlag schlafen!

21.6.2014 Nagaon – Jagiroad 68km

Am Morgen regnete es in Stroemen. Der Monsun hatte nun definitiv begonnen. Wir starteten dementsprechend spaet. Den ganzen Tag ueber mussten wir einem ziemlich eintoenigen Highway folgen, das Wetter war bedeckt. Unterwegs sahen wir Katyas und Mirkos Raeder an einer Mauer lehnen!! Welch ein "Zufall"!! Die Freude war gross ueber das unerwartete Wiedersehen.

Unterwegs sprachen uns immer wieder Leute an, dass sie uns im Fernsehen gesehen hatten. Das war echt witzig, denn wir hatten selbst diese Sendungen nicht gesehen und wussten auch nicht, welche unserer Aussagen, welche wir verschiedenen Fernsehteams gegeben hatten, nun wirklich ausgestrahlt worden sind.

Leider konnten wir an diesem Tag nicht lange im Trockenen radeln. Bald schon begann es wie aus Kuebeln zu giessen, so dass wir mehrere Stunden unterstehen mussten. Schlussendlich mussten wir im Regen radeln. Zum Glueck war die Strasse in sehr gutem Zustand. Ich vergass den Regen mit der Zeit, da es immer noch einigermassen warm war. So fuhr ich so schnell ich konnte die letzten 20km durch den Regenschauer in das enorm haessliche Dorf Jagiroad. Die Leute waren auch sehr unfreundlich; es dauerte beinahe zwei Stunden, bis wir ein Zimmer bekamen. Die beiden Doppelzimmer waren masslos ueberteuert, der Service lausig. Als ich nach einem Leintuch fragte, wurde mir ein Vorhang gebracht, um mich zuzudecken! Wir hatten jedoch keine andere Wahl, als in den sauren Apfel zu beissen und 1300 Rupies fuer ein Zimmer zu bezahlen. Entschaedigt wurden wir mit leckerem Abendesssen und Eis von Baskin Robins.

22.6.2014 Jagiroad nach Guwahati 56km

Mein letzter Tag auf dem Rad war ein sehr verrueckter Tag! Wir starteten spaet wegen des Regens. Minsung und ich fuhren in einer Regenpause los, Katya und Mirko folgten nach einer Weile. Wir fuhren beinahe die gesamte Strecke im Regen. Es war einfach nur muehsam und haesslich. Aber wie voriges Jahr auch, verbrachte ich die letzten Radtage im Regen, wohl ein sicheres Zeichen dafuer, dass eine Radtour zu Ende ist.

Ich rief am Morgen den Sam an, welcher uns in Joharat einfach bei einem Mittagessen seine Adresskarte gab und dann verschwand. Er meinte sogleich, dass wir bei ihm uebernachten koennten! Sowas....sah uns kurz fuer 3 Minuten und liess uns einfach bei sich wohnen!

Als wir ankamen kam uns Sam freudestrahlend entgegen, fuehrte uns zu seinem Haus und kochte mit seinem Nachbarn ein leckeres Mittagessen fuer uns. Es war einfach unglaublich! Sam und sein Kollege waren total lustig, offen und aufgestellt. Es fuehlte sich an, als wuerde ich sie schon lange kennen. Sie luden uns ein, am Abend an das Ambubachi Festival zu gehen im Tempel. An jenem Festival nahmen Sadhus aus ganz Indien teil. Viele von ihnen verliessen ihre Waelder nur einmal im Jahr, um an diese Festival teil zu nehmen. Weiter kamen unzaehlige Menschen aus ganz Indien angereist, um mit den Sadhus zusammen dieses Fest zu feiern.

Wir fuhren das erste Mal in Indien Bus, danach mussten wir uns in einen Jeep zwaengen mit etwa 30 anderen Personen, ich konnte kaum atmen. So fuhren wir zu dem Tempel auf einem Huegel. Dort bahnten wir uns einen Weg durch die Menschenmenge. Der Tempel war gerammelt voll mit Sadhus, Besuchern, Yogis und sonstigen Leuten. Wir wurden angestarrt und fotografiert. Unsere Begleiter fuehrten uns sehr gewissenhaft durch die Menge und verscheuchten auch immer wieder Leute, welche uns beruehren oder von zu naher Distanz fotografieren wollten. Sie kamen mir vor, wie unsere persoenlichen Bodyguards.

Viele dieser Sadhus schauten mir tief in die Augen, das war etwas unheimlich. Es war eine total verrueckte Veranstaltung. Betende, tanzende, bettelnde, meditierende Menschen ueberall. Ein Sadhu bedeutete mir, mich zu ihm zu setzen. Wir sprachen ueber die Schweiz, dann sagte er zu mir: „ Daniela, the sister of Mandela“.

Ich war total gefesselt von all den Eindruecken, tanzte zur Musik und hatte einfach unglaublich viel Spass, an einem solch verrueckten Fest teilnehmen zu koennen. Es war eines der eindruecklichsten Erlebnisse seit ewiger Zeit.

Unsere Gastgeber kochten anschliessend noch bis in alle Nacht hinein Abendessen fuer uns. Ich weiss einfach nicht, wie wir so viel Gastfreundschaft und selbstloses Handeln verdient haben. Es ist wirklich kaum zu fassen!

23.6.2014 Ruhetag Guwahati

Wir wurden um neun geweckt von den Gastgebern, sie hatten Fruehstueck fuer uns zubereitet! Belegte Brote und Bananen Shake! Einfach unglaublich! Dann gingen beide erst spaeter zur Arbeit wegen uns.

Da es den ganzen Tag in Stroemen regnete, entschlossen Minsung und ich uns erst spaet aus dem Haus zu gehen. In voller Regenmontur begaben wir uns in die zum Teil total ueberschwemmten Strassen. Wir hatten jedoch keine Wahl. Nach dem Geldwechseln fuhren wir zum Bahnhof, um eine Fahrkarte fuer den Zug nach Delhi zu kaufen. Wir verbrachten vier Stunden (!!!) damit! Man schickte uns von Schalter zu Buero zu Schalter zu Gepaeckstelle, zurueck in ein Buero. Niemand war zustaendig und alle sagten, die anderen haetten die Infos. Welcome to India. Ich war schon so gestresst, dass ich drauf und dran war, einfach einen Flug in die Schweiz zu buchen.

Schlussendlich wurden wir zum Frauenschalter gebracht (Frauen koennen anscheinend am normalen Schalter keine Karten kaufen) und erhielten dort fuer rund 38 Dollar einen Fahrschein. Wir werden in zwei Tagen im Express Zug im 6er AC Abteil rund 27h nach Delhi fahren. Das wird wahrscheinlich wieder ein ziemliches Abenteuer werden.

Nachdem wir nun Fahrkarten gekauft hatten, mussten wir noch stundenlang im Regen weiter fahren, um ein Hotel zu suchen fuer die naechsten Naechte. Es war echt anstrengend und am Abend hatte ich Fieber. Unser Gastgeber kochte uns erneut Abendessen und servierte Milchshakes.

24.6.2014 Guwahati

Ich erwachte mit Fieber. Unsere Gastgeber gaben sich wieder alle Muehe mit dem Zubereiten des Fruehstuecks. Leider konnte ich das Ganze nicht geniessen und verkroch mich wieder ins Bett. Spaeter mussten wir unsere Sachen zusammen packen, das wir ins Hotel wechselten. Halb lebendig erledigte ich das Packen und Beladen des Rads. Sam schenkte mir zum Abschied eine Muetze, weil es in der Schweiz kalt sei und eine Gesichtscreme. Es ist einfach unfassbar! Wir wollten ihm etwas schenken, nicht umgekehrt!

Wir fuhren dann langsam durch die chaotischen Strassen zum Hotel. Dort legte ich mich gleich hin. Als ich feststellte, dass ich 39.4 Grad Fieber hatte, enschloss ich mich, ins Krankenhaus zu gehen. Der Junge vom Hotel begleitete mich und erledigte alles fuer mich! Er uebernahm die Registrierung, organisierte den Doktor, trug meine Blutampullen zum Labor, kaufte Wasser und ging mit mir zur Apotheke. Einfach unglaublich! Wir verbrachten mehrere Stunden dort. Es war schon eindruecklich, mal noch ein indisches Krankenhaus von innen zu sehen...Ueberall lagen Menschen auf Baren herum, ein totales Chaos. So wie ich es aus dem Fernsehen kannte. An einem Tisch sassen drei Doktoren und man musste sich in der Reihe vordraengen, um einen von ihnen zu sprechen. Sie sprachen dann gleich mit ein paar Patienten gleichzeitig.

Trotzdem wurde ich einigermassen professionell behandelt. Sie testeten mich gleich auf Malaria und Dengue Fieber, gaben mir eine Infusion, um das Fieber zu senken. Anschliessend ging es mir besser. Der Junge begleitete mich zurueck und war total haerzig, sagte, er sei froh, dass er mir helfen koenne. So lieb. Ich gab ihm dann 500 Rupies (8 Franken) Trinkgeld und er strahlte uebers ganze Gesicht. Spaeter fuhr er dann noch zwei Mal zum Krankenhaus, um meine Untersuchungsberichte abzuholen!

Auch rief die Hotelbesitzerin an und wuenschte mir gute Besserung. Ich sei in guten Haenden und sie werde morgen kommen und sehen, wie es mir geht! Es ist wirklich unfassbar!

26.6.2014 Zugfahrt von Guwahati nach New Delhi

Wir mussten morgens um drei Uhr aufstehen. Ich fuehlte mich immer noch sehr krank und schwach, hatte jedoch keine Wahl. Vor dem verlassen des Hotels kochten wir uns Oatmeal, um uns wenigstens ein bisschen fuer die Fahrt zu staerken. Anschliessend beluden wir die Raeder und fuhren durch die menschenleeren Strassen.

Am Bahnhof angekommen lagen ueberall Leute herum im Bahnhof, schliefen und warteten so auf ihren Zug. Wir schlaengelten uns mit den Raedern durch die schlafende Menge zum Gepaeckbuero. Dort wurden wir wenig freundlich empfangen, unsere Raeder beschriftet und uns nach laengerem Hin- und Her ein Fahrschein fuer die Fahrraeder ausgehaendigt.

Anschliessend mussten wir nochmals zwei Stunden warten. Der Zug kam eine halbe Stunde vor der Abfahrtszeit an. Dies war toll, denn so hatten wir genug Zeit, die Raeder in den Gepaeckwagen zu bringen und anschliessend unser Gepaeck ins Abteil bringen zu lassen. Ein Traeger balancierte meine Sachen auf seinem Kopf zum Abteil!

Wir richteten uns dann auf unseren Pritschen ein. Das Abteil war gefuellt mit Personen und vor allem unglaublich viel Gepaeck! Jedoch hatten wir AC und bekamen sowohl frische Bettwaesche, als auch alle paar Stunden eine Mahlzeit. Es war schon ziemlich luxurioes fuer einen indischen Zug.

Der Zug fuhr dann lediglich eine Minute zu spaet los.

Ich musste beinahe die ganzen 27 Stunden liegen, da mich jede Bewegung schmerzte und mein Bauch mich konstant mit Kraempfen plagte.

Gleich ausserhalb unseres Abteils befand sich die „Kueche“, gleich neben der Toilette. Es war ein schlimmer Anblick. Das Schlimmste war jedoch, dass die Angestellten, welche das Essen servierten in dieser Kueche auf dem BODEN neben der Toilette schlafen mussten! Ich hatte unglaubliches Mitleid mit ihnen, da sie konstant Essen brachten, aufraeumten usw. Sie arbeiteten wahnsinnig hart und mussten dann auch noch unter solch unwuerdigen Bedingungen schlafen!

Ich konnte nur wenige Stunden schlafen, da die Inder nicht gerade zu den ruecksichtsvollsten Sorte Mensch gehoeren, wenn sie Zug fahren. Immer wurde lautstark diskutiert, die Tuere zugeschlagen. Es war konstant laut.

Total uebermuedet, immer noch sehr krank, kam ich am naechsten Tag in Delhi an. Der Zug war nur 15 Minuten verspaetet. Wie ich von Katya erfuhr, welche einen Zug spaeter gebucht hatte, hatte ihr Zug 5 Stunden Verspaetung gehabt bei der Abfahrt. Dies waere in meinem Zustand der wahre Horror gewesen!

In Delhi angekommen, entluden wir die Raeder und mussten einige Leute wegscheuchen, welche unsere Raeder anfassen oder gleich besteigen wollten. Ich war sooo muede! Langsam beluden wir die Fahhraeder zum letzten Mal, machten noch Fotos und suchten den Weg durch die Stadt zum Hotel. Ich hatte mir Delhi viel viel schlimmer vorgestellt. Die Strassen waren in sehr gutem Zustand und der Verkehr eingiermassen geordnet. Ich war wirklich positiv ueberrascht.

Das Hotel befand sich zum Glueck ganz in der Naehe des Bahnhofs. Leider bekamen wir nur noch ein Zimmer im vierten Stock. So mussten wir entkraeftet wie wir waren, noch alles Gepaeck die steile Treppe hoch schleppen. Zum Glueck war das Hotel enorm sauber und gemuetlich. Wir waren so muede, dass wir beinahe zwei Tage nur mit Schlafen verbrachten.

29.06. - 05.07.2014 New Delhi

Ich lag seit beinahe einer Woche mit schlimmem, blutigem Durchfall im Bett. Fuehlte mich schwach und ausgepowert...kannte mich so gar nicht.

Jedoch war ich sehr froh, dass Minsung und die anderen ebenfalls in Delhi waren, wir ein gutes Hotel gefunden hatten, mit einem organischen Restaurant im Erdgeschoss. Ich fuehlte mich wohl und sicher im Hotel,  hatte jedoch nichts von der Stadt ausserhalb des Hotels gesehen.

Eine sehr gute Freundin kontaktierte einen Tropenarzt in der Schweiz, so dass ich mir Medikamente verschaffen konnte. In Delhi konnte ich ein breitband Antibiotikum einfach so ohne Rezept kaufen. Der Spass kostete mich dann auch ganze zwei Franken!

Als sich jedoch mein Zustand nicht wirklich verbesserte, entschied ich mich, nochmals ein Krankenhaus aufzusuchen. Ich war sehr froh, dass Minsung vorschlug, mich zu begleiten. Wir irrten lange in dem Krankenhaus herum, bis wir in eine sehr noble Abteilung gefuehrt wurden. Anscheinend wurden dort nur sehr gut betuchte Patienten behandelt! Der Doktor hatte ein grosses Buero mit schweren Sesseln. Ueberall hingen oder standen seine Urkunden und Auszeichnungen, an der Wand zeigten einige Fotos, dass er sogar schon Bill Clinton behandelt hatte! Er selbst war wohl so gegen die siebzig Jahre alt. Er verschrieb mir weitere Medikamente und dann nochmals einige Medikamente gegen die Nebenwirkungen der ersten Medikamente....

Nach ein paar Tagen fuehlte ich mich schon etwas besser und buchte auch einen Flug in die Schweiz.

6.7.2014 New Delhi

Morgen werden Minsung, Katya und Mirko in aller Fruehe los radeln. Ich werde gegen Abend dann mit meiner Radkiste und dem Gepaeck an den Flughafen fahren.

Am letzten Abend gingen wir noch etwas trinken alle zusammen. Es war schoen und auch komisch. Genau zwei Monate waren wir gemeinsam unterwegs gewesen. Trotzdem fuehlt es sich an wie ein Jahr. Diese Menschen sind meine Welt geworden, waren meine Heimat fuer so viele Wochen. Es war eine tolle, aber auch sehr intensive Zeit! Wenn ich bedenke, welch anderer Mensch ich war, als ich Bangkok verliess! Wahnsinn, was alles geschehen ist und wie unendlich weit weg von Bangkok ich nun bin.

Es war nicht leicht, Katya tschuess zu sagen. Wir umarmten uns herzlich. Ich liebe sie sehr, sie ist wie eine Schwester geworden. Ich denke, dass ich eines Tages nochmals mit ihnen radeln werde. Es ist nun nur ein „bis spaeter“, kein „good bye“.

Minsung und ich gingen ins Hotel zurueck und er packte noch bis in alle Nacht hinein seine Taschen.

7.7. - 8.7.2014 New Delhi - Zuerich

Ich fuhr gegen Mitternacht im Hotel los an den Flughafen. Dort hatte ich grosse Muehe mit dem Einchecken, da sie wohl selten ein Rad transportieren mussten. Beinahe zwei Stunden wurde ich immer wieder vertroestet und musste warten. Als ich dann endlich alle Formalitaeten hinter mich gebracht hatte und schon am Zoll einen Stempel bekommen hatte, wurde ich nochmals zurueck gerufen, da ich mein Rad selbst zum Schalter fuer Uebergepaeck bringen musste. Als ich zurueck kam, wollte der Zoellner mich nicht passieren lassen, weil ich schon einen Stempel hatte! Es war zum Verzweifeln! Ich musste erneut lange diskutieren, war muede und immer noch krank. Schlussendlich durfte ich dann doch weiter zum Gate gehen.

Das ganze Prozedere dauerte beinahe fuenf Stunden! Zum Glueck war ich so frueh am Flughafen! Der Flug ging dann ziemlich puenktlich, morgens um 4 Uhr. Ich war so muede, jedoch kreisten meine Gedanken wie verrueckt. Einerseits war ich froh, so geschwaecht einfach nur nach Hause zu fliegen. Andererseits war ich in Gedanken auch bei meinen Freunden, welche nun in Richtung Kashmir und wunderschoenen Berglandschaften fuhren.

Der restliche Flug und das Umsteigen in Doha gingen reibunslos ueber die Buehne. Ich kam total uebernaechtigt und schwach in Zuerich an. Es war ein schoenes und gleichzeitig auch trauriges Ankommen. Vielleicht war es auch nur der fehlende Schlaf, welcher sich nun stark bemerkbar machte. Alles in allem ist es sehr gut, wieder zu hause zu sein.