Kohima nach Majuli Insel

10.6.2014 Kohima – Medziphema 43km

Wir standen sehr spaet auf. Chris, Mike, Minsung und ich begaben uns ins Staatsmuseum von Nagaland. Da das Museum noch geschlossen war, warteten wir vor verschlossenen Tueren, wo wir ins Gespraech kamen mit einem netten Herrn, welcher in den Bergen von Nagaland lebte. Er bezahlte dann einfach so den Museumseintritt fuer uns alle!

Der Kassier gab uns anschliessend eine Fuehrung durch das Museum und erklaerte uns viel ueber die „Headhunters“, welche frueher Nagaland bewohnten, bevor die Missionare in die Region kamen und die Menschen „zivilisierten“, wie er meinte. Headhunters sammelten Koepfe von getoeteten Menschen, welche niemals ihrem Dorf angehoerten, sondern immer aus einer anderen Siedlung stammten. Der Gedanke dahinter war, dass sie diesen Menschen halfen, sich von diesem Leben zu befreien und in einem besseren Leben nach dem Tod weiter zu leben. Sie stellten den Schaedel bei sich auf und gestalteten eine Puppe, welche dem getoeteten Menschen glich. Die Puppe wurde auch gefuerttert, da sie angeblich gute Freunde waren, denn der Headhunter hatte dem Getoeteten einen guten Dienst erwiesen. Die Headhunter trugen jeweils auch eine Kette bestehend aus Knoepfen aus kostbarem Metall, welche die Anzahl getoeteten Menschen symbolisierten.

Des Museumsbesuchs wegen starteten wir erst gegen Mittag. Wir legten nur wenige Kilometer zurueck auf der ziemlich schlechten Strasse, als es wie aus Kuebeln zu regnen begann! Zum Glueck fanden wir sofort ein vegetarisches Restaurant, wo wir eine Pause einlegten. Ein Herr kam zu unserem Tisch und teilte uns mit, dass wir seine Gaeste seien und er unsere Rechnung bezahlt hatte! Einfach unglaublich!!! Museumsbesuch, dann das Essen...wildfremde Menschen bezahlten uns alles!

Wir konnten anschliessend nur 3km weiter fahren, bevor uns der naechste Regenschauer einholte. Die Monsunsaison hatte begonnen! Nach der zweiten Pause war es schon beinahe 3 Uhr und uns war klar, dass wir das Tagesziel Dimapur nicht erreichen werden.

Wir fuhren noch einige Kilometer weiter auf der Bergstrasse, welche eigentlich durch eine sehr schoene Landschaft fuehrte. Der Schlagloecher wegen konnten wir jedoch den Ausblick nicht wirklich geniessen.

In Medziphema, einem kleinen Dorf, erwartete uns der Direktor der Bank. Er war ein Freund unseres Gastgebers von Kohima. Die Angestellten der Bank hatten leckeres  Essen fuer uns vorbereitet. So assen wir koestliche Samosas und Brot in der Bank. Das war vielleicht ein Erlebnis! Die Angestellten unternahmen anschliessend alles, um uns die Uebernachtung zu ermoeglichen. Sie fuehrten uns zur Gemeindehalle, wo wir unsere Zelte unter einem Dach aufstellen konnten. Die Einwohner brachten uns Wasser, versprachen sogar Fruehstueck fuer uns zu kochen!

Eine Frau kam und fragte uns nach unseren Nationalitaeten. Sie sagte dann, dass sie die Schweiz bevorzuge, da Gott ihr im Traum gesagt habe, sie solle fuer die Schweiz beten. Das war etwas seltsam.

Wir plauderten dann noch eine Weile mit den Dorfbewohner, welche sich zu uns gesellten.

 

11.6.2014 Medziphema – Dimapur 30km

Als wir aufstanden, hatten die Frauen vom Dorf bereits Reis gekocht und uns Teller, Besteck und eine Kanne gefuellt mit warmem Chai Tee bereitgestellt! So lieb!

Wir fruehstueckten, packten die 7000 Sachen auf unsere Raeder und verliessen den Ort relativ spaet. Die Strecke fuehrte weiter bergab, wobei die Strasse besser war, als am Vortag.

12 km vor der Stadt Dimapur warteten zwei Jungs vom Radclub des Ortes auf uns. Sie fuehrten uns zur Bank, wo schon eine grosse Menschenmenge, Journalisten und ein Fernsehteam auf uns warteten! Wie Promis wurden wir empfangen, es wurden viele Fotos gemacht und anschliessend fand eine Pressekonferenz statt, welche von David, dem Hotelbesitzer aus Kohima und Direktor der Bank, gefuehrt wurde. Wir erzaehlten von unseren Abenteuern und beantworteten Fragen. Sehr aufregend. Zum Abschluss kriegten wir von der Bank ein Geschenk; alle von uns erhielten einen Umschlag, welcher 600 Rupies (10 Franken) enthielt!

Nachdem wir den wohlriechenden Journalisten Red und Antwort gestanden hatten, wurden wir erneut zum Mittagessen eingeladen. Nach der Staerkung fuehrten uns die Jungs zu einem Wohnblock. Dort hatte David eine ganze Wohnung fuer uns gemietet! Es war einfach unglaublich!.

Nach einem kurzweiligen Nachmittag kam David, sowie einige Herren aus dem Radclub in die Wohnung und wir plauderten bis in alle Nacht hinein. Es war wirklich kaum fassbar, was uns dauernd geschah und wie alles immer fortlaufend organisiert wurde.

 

12.6.2014 Ruhetag in Dimapur

Wir erledigten heute viel, vor allem verbrachten wir viel Zeit im Internet, um unsere Blogs zu schreiben und Emails zu beantworten. Da wir selten Internetzugang haben, fuellt diese Beschaeftigung meist einen ganzen Tag.

Als ich das Internetcafe verliess, kam eine Frau auf mich zu und fragte, ob sie mich zum Mittagessen einladen koenne! Einfach so! Sie teilte mir dann mit, dass wir ueberall in den Zeitungen seien an diesem Tag und wiederholte ihre Einladung!

Leider musste ich sie enttaeuschen, da ich mich mit der Gruppe traf. Spaeter brachte David uns die beiden Zeitungen, in welchen je ein Artikel ueber uns erschienen war.

Gegen Abend trafen Jan und Karina ein, ein deutsches Paar, welches seit drei Jahren um die Welt radelt. Es war sehr spannend von ihren Abenteuern zu erfahren. Leider wollten sie direkt in Richtung Westen fahren, so dass sich die Wege am naechsten Morgen schon wieder teilen wuerden. Schade, ich haette mich sehr ueber deutschsprachige Verstaerkung in der Gruppe gefreut.

 

13.6.2014  Dimapur – Golgahat 88km

(30km mit dem Polizeijeep, weil ich krank war)

Am Morgen kamen wir nicht richtig in die Gaenge. Die zwei Jungs vom Radclub wollten uns einige Kilometer begleiten und mussten fast eine Stunde auf uns warten! So gegen halb elf rollte der Tross dann, an einem Freitag dem Dreizehnten und Vollmondtag zugleich, in Richtung Stadt.

Wir fuellten Wasser auf und verabschiedeten uns herzlich von Jan und Karina, welche in Richtung Westen radelten.

Mir war am Morgen schon uebel und mein Bauch schmerzte. Ich zwang mich, trotzdem aufs Rad zu steigen. Durch eine indische Stadt zu fahren stellte eine ziemliche Herausforderung dar! Ueberall Chaos, Gedraenge, Gehupe und schlechte Luft. Ich war froh, als wir die Landstrasse erreicheten. Die Strasse war in einem perfekten Zustand, so dass wir beinahe ueber den Asphalt schwebten. Die Jungs vom Radclub begleiteten uns bis zur Staatsgrenze von Nagaland. Als wir die Grenze zum Staat Assam passierten, wurden wir sofort von zwei Polizisten auf einem Motorrad eskortiert. Sie bezahlten uns sogar den „Znueni“.

Wenig spaeter wurden wir bereits aufgehalten, weil Chris fuer ein weiteres lokales Fernsehen ein Interview geben musste! Beruehmt zu sein ist nicht einfach!

Meinem Magen ging es nicht viel besser, so dass ich nach dem Mitagessen den neuen Polizeitrupp, bestehend aus fuenf schwerst bewaffneten Maennern in einem Jeep, fragte, ob ich mein Bike einladen und mitfahren duerfe. Sie hatten nichts dagegen und rueckten naeher zusammen, zwei von ihnen mussten sich jedoch auf den Beifahrersitz quetschen.

Die Landschaft war unglaublich schoen. Viele kleine Doerfer, Reisfelder und Teeplantagen. Eine weite Strecke fuehrte durch einen dichten Dschungel, in welchem die Baeume ein schuetzendes Dach boten. Es war wie im Maerchen.

In einer kleinen Ortschaft mit heissen Quellen kehrte der Polizeischutz um und ich musste mein Rad wieder beladen. Erst hatten wir die Erlaubnis, bei den Heissen Quellen zu uebernachten. Total geschwaecht stellte ich mein Zelt auf. Gerade als ich fertig war damit hiess es, wir koennten nicht bleiben, es sei zu gefaehrlich. Wir diskutierten eine Weile, aber es war nichts zu machen.

So mussten wir beim Eindunkeln nochmals 25 (!!!) km radeln. Die Strasse war gut , jedoch haette ich die wunderschoene Landschaft lieber tagsueber bestaunt. Wir rasten foermlich, ich fuehlte mich schwach, weil ich den ganzen Tag ueber nichts gegessen hatte.

Es war schon dunkel, als wir Golgahat erreichten und zum Glueck sofort ein sehr schoenes Hotel fanden. Ich war gluecklich darueber, da ich in dieser Verfassung nicht unbedingt im Zelt uebernachten wollte.

 

14.6.2014  Golgahat – Jorhat 43km

Am Morgen warteten bereits zwei Reporter und ein Fernsehteam auf uns in der Hotellobby. Wir wurden erneut interviewt und gefilmt. Das Ganze dauerte eine Weile, was jedoch keine Rolle spielte, da wir warten mussten, bis der erste Regenguss vorbei war.

Wir folgten einer eher schmalen Landstrasse durch malerische Doerfer. Die Landschaft war wirklich einfach unglaublich schoen und gruen. Zum Glueck war es nicht zu heiss, so dass wir diesen Tag einfach geniessen konnten.

Wir erreichten Jorhat ziemlich frueh, waren jedoch froh, dass Chris schon ein Hotel fuer uns gefunden hatte. Am Abend besprachen wir die Plaene fuer die naehere Zukunft, da sich die Gruppe wohl in ein paar Tagen aufloesen wird. Mike und Chris wollen nach Tawang, einem Hochplateau an der chinesischen Grenze. Wir anderen bleiben ziemlich sicher eher im Flachland und fahren in Richtung Westen.

 

15.6.2014 Jorhat – Majuli Insel 30km

Spaeter Start, umringt von vielen Leuten. Ich war nicht in der Stimmung zum Plaudern und teilte dies auch mit. Trotzdem wurden wir nicht in Ruhe gelassen. Ich war froh, als wir endlich los fahren konnten. Wir folgten einer schmalen Strasse. Die Natur in Assam ueberraschte  mich jeden Tag aufs Neue. So wunderschoen!

Nach wenigen Kilometern verschwanden die dichten Waelder und wichen einer offenen, gruenen Flaeche, so dass wir den riesigen Brahmaputra Fluss sehen konnten. Wir folgten der Strasse bis zum Ende, wo die Faehre zur Majuli Insel bereits wartete. Unzaehlige Motorraeder waren schon auf die hoelzerne Ladeflaeche und das Dach geladen. Nachdem wir die Raeder auf die Faehre geschoben hatten, wurde noch ein Auto aufgeladen! Unglaublich!

Die Fahrt auf dem abenteuerlichen Boot dauerte etwa 40 Minuten. Als wir ankamen, draengten sich unglaublich viele Leute auf dem Boot, um sofort nach dem Anlegen an Land gehen zu kommen. Ich fragte mich, wo sich all diese Menschen waehrend der Fahrt versteckt hatten.

Die Maijuli Insel bot uns eine wunderschoene Landschaft. Es erwartete uns zuerst eine Steppe, dann glich die Landschaft wieder jener des Festlandes.

Wir fanden eine Bambushuette mit Bambusmoebeln und einem Ziehbrunnen im Bad. Sehr schoen! Der Besitzer fuehrte uns spaet in der Nacht ca. 3km durch den dunklen Wald zu seiner Huette, wo seine Frau fuer uns Abendessen kochte. Es war interessant zu sehen, wie diese Familie lebte. Acht Personen wohnten anscheinend in dem kleinen Haus mit zwei Betten und einem offenen Feuer in der Kueche.

Wir verbrachten einen Tag auf der Insel. Da die restliche Gruppe sich fuer das Herumsitzen entschied, fuhr ich mit meinem Rad ein wenig auf der Insel umher, wobei ich den Tschechen Daniel, welchen wir in Kohima kennen lernten, per Zufall auf einer abgelegenen Strasse traf. Wir tranken Tee zusammen und plauderten ein wenig.

Da ich das Rumsitzen nicht mehr aushielt, entschied ich mich dafuer, am naechsten Tag loszufahren. Die anderen wollten noch laenger bleiben. Minsung wollte die Insel auch verlassen und ich war froh, dass ich nicht alleine radeln musste. Es hiess jedoch von Chris und Mike Abschied nehmen, da die beiden auf dem Weg in die Berge waren. Katya und Mirko wollten mir einen Tag spaeter in Richtung Westen folgen.