Auszeit am Meer (Sihanoukville)

Wir beschlossen, ein wenig zu mogeln und die Raeder fuer eine Weile stehen zu lassen, um mit dem Bus ans Meer nach Sihanoukville zu fahren. Ein wenig Relaxen nach diesen Strapazen war angesagt.

Die Fahrt dauerte ueber 4.5 Stunden, welche Ram und ich mit Schachspielen zubrachten. Ich verlor dauernd, aber gab nicht auf. Vom Bus aus sah das Land total anders aus. Auch kriegte man die Bevoelkerung so gar nicht mit! Aber dies ist wohl der Eindruck, welchen die meisten Touristen von Kambodscha bekommen. Schon ein seltsames Gefuehl, wieder so kommerziell zu reisen! Von der Bushaltestelle wurden wir dann auch gleich von einem Tuktuk an den Strand gefahren und dort von Hostel zu Hostel gebracht. Wir stoppten auch im Swiss Garden Hotel bei der Familie aus „Auf und davon“. Ihr Hotel war schon ausgebucht, sie freuten sich aber sichtlich ueber unser Kommen. Fabian ging einige Tage spaeter nochmals zurueck, um einen Kaffee zu trinken und mit dem Besitzer zu plaudern.

Am Abend genossen wir den Stand und frische Fruchtsaefte. Es war der erste Tag , an welchem wir einfach wirklich nur rumgesessen sind. Wir waren nun genau zwei Wochen unterwegs. Fuer mich fuehlte es sich so an, als haette ich Bangkok mindestens vor drei Monaten verlassen; so unendlich viel ist schon geschehen seither.

Die Reise war bis anhin aeusserst gut verlaufen. Keine groesseren Pannen oder Probleme, keine Krankheiten, keine ernsthaften Streitereien, keine Probleme beim Finden von Unterkuenften. Alles reibungslos.

Mir ging es auch besser, als in Bangkok. Das Nichtstun und Rumsitzen, das Warten auf den Start der Reise hatten mich beinahe fertig gemacht. Nun fuehlte ich mich frei und fand es toll, dass ich den ganzen Tag Sport machen konnte und gleichzeitig noch viel sah.

Auch dachte ich viel ueber die verschiedenen Lebensweisen nach. Ist es richtig, den Materialismus ueberall zu verbreiten, diesen Laendern zu „helfen“, indem wir ihnen unsere Lebensweise aufzwingen? Ich habe noch keine ungluecklichen Kambodschaner gesehen, obschon sie nichts besitzen. Klar gibt es viele Invalide und vom Krieg gezeichnete Menschen in diesem Land. Was ich sagen will ist nur, dass die Menschen hier auch ohne grossen Luxus gluecklich und zufrieden zu sein scheinen, wir jedoch trotzdem "Mitleid" mit ihnen haben, weil ihre Kleidung schmutzig ist oder sie in einfachen Haeusern leben.

Wir verbrachten einige Tage am Strand mit Lesen und Nichtstun. Das Wasser war leider nicht sehr sauber, so dass wir uns nur kurze Abkuehlungen im Meer goennen konnten. Ueberhaupt gefiel mir dieser Badeort nicht so, wobei wir natuerlich in Thailand verwoehnt werden mit schoenen Straenden. Aber es war troztdem toll am Meer zu sein.

Mike kam uns am letzten Morgen wecken, da der Bus eine halbe Stunde frueher vor der Tuere stehen wuerde, als am Vorabend geplant. Wir beeilten uns und hatten nicht mal Zeit fuer ein Fruehstueck. Nach zwei verschiedenen Pickups erreichten wir den richtigen Bus, welcher mit viel Verspaetung losfuhr. Unterwegs spielten wir wieder einmal Schach. Ich hatte mehr Glueck auf dieser Fahrt; es stand unentschieden.

Nach etwa 5.5 Stunden kamen wir in Phnom Penh an. Wir liessen uns ins Hotel fahren, wo unsere Raeder, sowie das Gepaeck schon auf uns warteten. Einechecken und dann schnell etwas essen gehen, da wir den ganzen Tag ueber nichts zu uns genommen hatten.

Wir feierten den letzten Abend mit Mike in einem Rooftoprestaurant bei gutem Essen und guter Musik. Der Mond schien als riesiges Meisterwerk ueber den Daechern der Hauptstadt.

Die Zeit bis Mitternacht verbrachten wir anschliessend mit Jassen, was sehr unterhaltsam war. Kurz vor 24 Uhr kam ein Tuktuk angefahren, um Mike, sein Rad und das Gepaeck zum Busbahnhof zu bringen. Es war Zeit zum Tschuessagen nach tollen zweieinhalb Wochen Radtour. Er fuhr mit dem Bus die gesamte Strecke zurueck nach Bangkok, um von dort am folgenden Tag nach Basel zu fliegen.

...Da warens nur noch drei... Muede legten wir uns schlafen.

Leider hielt diese Freude fuer mich nur von kurzer Dauer. Ich hatte die gesamte Nacht und den naechsten Tag ueber eine schlimme Magenverstimmung. Danach war ich total ausgelaugt und dehydriert, aber Unkraut vergeht bekanntlich nicht.

Mike meldete uns spaeter, dass er sein Rad an der Grenze stehen lassen musste, da der Bus von Poipet nach Bangkok zu klein war, um es zu transportieren. Dabei hatte er es so liebevoll verpackt....