VOR der Abreise

An Weihnachten landete ich, aus dem Oman kommend, in der Hauptstadt von Thailand. Es war wirklich ein "Nachhausekommen". Die Wärme, die freundlichen Menschen und die Gelassenheit der Thais fielen mir als erstes auf, als ich nach dem sechsmonatigen Aufenthalt in der Schweiz wieder asiatischen Boden unter den Füssen spürte. 

Am Flughafen in Bangkok wartete mein gut verpacktes  Rad schon geduldig auf mich am Schalter für "oversized bagages". Es war das einzige Gepäckstück, welches zu gross zu sein schien. Glücklich lud ich die unversehrte Box auf meinen Wagen und wartete geduldig auf den Rest des Gepäcks.

In der ziemlich überfüllten Ankunftshalle wurde ich dann von meinem Freund Ram empfangen. Während er das Auto holte, wartete ich vor dem Flughafen. Eine Thailänderin hielt ihren Wagen an, stieg aus und rief mir über die Strasse hinweg "Merry Christmas" zu. Dann fuhr sie weiter. Welcome to Thailand. Ich musste lachen und daran denken, dass dies wohl in der Schweiz niemals geschehen würde.

Die übergrosse Kiste mit meinem Rad passte natürlich nicht in Rams Auto! So versuchten wir das Riesending in verschiedenen Varianten in den Wagen zu quetschen, aber es half nichts. Die Kiste war einfach zum drei Zentimeter zu gross! Wie das in Thailand so ist, schaut niemand lange zu, wenn jemand HIlfe gebraucht. Und so waren dann schon bald zwei Guards zur Stelle, welche eigentlich für die Verkehrsregelung zuständig waren. Mit vereinten Kräften und dem Abmontieren der Kopfstützen, vollbrachten sie das Wunder und das Rad samt Kiste verschwanden im Auto. Sogar die Türen liessen sich einwandfrei schliessen. Leider blieb für mich nicht mehr sehr viel Platz übrig und so musste ich eine Stunde lang eingequetscht unter meinem Rad auf der Rückbank verharren, bis wir in meiner Wohnung ankamen.

zwei Monate später...

4.März 2013. Ganz verstaubt landete ich an jenem Morgen in Bangkok, von Burma kommend, wo ich 10 Tage Urlaub vom Urlaub gemacht hatte. Nun begann das Abenteuer! Am selben Morgen landete mein Bruder Fabian in Bangkok. Er hatte sich im letzten Jahr entschieden, mich ein Stück der Reise zu begleiten. Es war ein schwieriger Weg für ihn, so alles aufzugeben und hinter sich zu lassen. Jedoch hatte alles problemlos funktioniert und so wartete er schon ein paar Stunden vor meiner Wohnungstür, als ich verspätet dort eintraf. Sein Rad war unversehrt gereist.

Wir verbrachten die nächsten Tage mit Organisieren von zusätzlichem Material, Geldwechseln (und Wechselkurse zu vergleichen), wichtigen Dokumenten kopieren, Reisecomputer aufrüsten, alles aus- und wieder einpacken (da die Taschen zu klein oder das Material zu umfangreich war) usw.

Für mich stand die Vorfreude jedoch die gesamte Zeit über im Vordergrund. Ich kann es kaum noch erwarten, bis es los geht! Nachdem ich nun beinahe ein Jahr lang die Reise im Kopf zusammen gestellt hatte, wird es Zeit, endlich die Räder auf die Strasse zu setzen. 

Der Countdown läuft...noch knapp eine Woche bis zum Start!

Sonntag, 10.März.2013. Mike ist am Morgen in Bangkok gelandet. Er ist gut gereist und ebenso sein Bike. Die Hitze ist etwas gewöhnungsbedürftig so nach dem Ankommen aus dem Winter. Sein Plan ist es, mich die ersten 2.5 Wochen zu begleiten und dann vor der Grenze zu Vietnam wieder zurück nach Bangkok zu fahren. Ich habe mich wirklich sehr gefreut, dass Mike, Ram und Fabian mich ein Stück der Reise begleiten wollen. Das bedeutet mir sehr viel und macht mir den Start etwas einfacher. 

Es hat sich jedoch nun auch etwas Angst unter die Vorfreude gemischt. Die Zeit auf der Strasse wird lange sein und die Ungewissheit ist gross. Dies war jedoch noch nie etwas, was mich grundlegend belastet hätte. Es ist wohl einfach die Anspannung der letzten Tage, bis es wirklich losgeht morgen in der Früh. Wir planen um sechs aufzustehen, dann alles Gepäck aus meiner Wohnung zu schaffen, anschliessend wird die Wohnung geputzt, noch Geld gewechselt und dann kann es vor meiner Haustüre losgehen! Ein komisches Gefühl...nachdem ich diese Idee nun mehr als ein Jahr mit mir herumtrage ist es nun wirklich soweit. Von einem Gespräch mit einer Freundin bis hin zur Realisation war es ein weiter Weg, der jedoch  ohne irgendwelche Hindernisse verlief. Für mich immer ein sehr gutes Zeichen, ein Projekt zu starten. Ich hoffe, dass ich viele Menschen unterstützen kann unterwegs und gesund in Peking ankomme. Nun werde ich noch einen letzter Blick in die übervollen Taschen werfen und dann in Ruhe versuchen zu schlafen. Ready to hit the road.